Juni 2018 - Acht Tage in den französischen Alpen - Tag 4 - Forteresse et Gorges - Zur Festungsstadt Entrevaux - Teil I
Der heutige Tourtag steht ganz im Zeichen von Festungen und Canyons - beides reichlich vertreten in der Region Alpes Maritime und Alpes de Haute Provence.
Dabei ist sie ganz schön abenteuerlich - unsere Tour nach und von Entrevaux. Geht es gerade noch über hohe Pässe, so tauchen wir kurz darauf in tiefe Schluchten ab. Eine gigantische Kurven-Achterbahn mit unvergesslichen Eindrücken einer grandiosen Landschaft. Kein Wunder, dass auch hier die Route des Grandes Alpes Zuhause ist.
Wieder geht es erst einmal nach Osten, in Richtung Barcelonette. In Les Thuiles biegen wir so ab, als führen wir wieder zum Allos - aber dann geht es über Uvernet Fours hinunter zum wild schäumenden Bachelard.
Immer höher türmen sich zu beiden Seiten die Felsen auf - wir sind im
"Gorges du Bachelard".
 |
| Gorges du Bachelard |
Gefährliche Straßen.
Die enge, felsige Schlucht beeindruckt mit ihren Wasserfällen, alten Steinbrücken und steil aufragenden Klippen. Die schmale, oft steile Straße neben dem tief eingegrabenen Bachelard, gehört zu den berühmten französischen
"Balkonstraßen", den Dangerous Roads. Hierbei handelt es sich um ziemlich haarsträubende Pisten, die in den Fels eines Abhangs geschlagen sind. Ganz schön verrückt, hier zu fahren. Denn es braucht schon etwas Mut, über die nur wenige Zentimeter hohen Begrenzungsmauern in den unglaublich tiefen Abgrund unter dir zu schauen. Hier wäre Höhenangst natürlich kein guter Begleiter - hier hilft oft nur noch der intensive Blick auf den Verlauf der Fahrbahn vor dir, oder, falls vorhanden, auf das Hinterrad des vor dir fahrenden Bikes.
Manchmal hilft in diesen Passagen auch nur noch ein Stoßgebet, dass jetzt bloß niemand um die Ecke kommt. Und wenn doch? Ein leichtes Erschrecken, ein korrigieren am Lenkeinschlag - und schon ist der Moment vorbei. Was in solchen Momenten bleibt ist ein Aufatmen und etwas feuchte Hände.
Die Balkonstraßen sind kein Platz für Fahrfehler - aber ein Gelände für aufregende und unvergessliche Erlebnisse.
Irgendwann geht dann auch die tollste Strecke einmal zu Ende - aber kein Problem - da kommt schon gleich der nächste Höhepunkt.
 |
| Parc Nacional du Mercantour |
Col de la Cayolle
Über die Nordrampe geht es hinauf auf den
"Col de la Cayolle" 2327m, 10% / **** / SG3
Es ist noch ruhig auf der RdGA, nur ein paar Rennradfahrer sind mit uns unterwegs zur Passhöhe.
 |
| Murmeltiere am Cayolle |
 |
| Schlichte Steintafel an der Passhöhe |
Fahrerisch abwechslungsreich mit tollen Ausblicken auf die umliegende Bergwelt geht es hinauf zur schlichten Steintafel, die die Grenze zwischen dem Department Alpes de Haute Provence und dem Department Alpes Maritimes markiert.
 |
| Victory |
 |
| Col-de-la-Cayolle |
Hier oben halten wir für eine Rast, um die Berge, den Himmel, die Wolken, die Vegetation - um einfach alles auf uns wirken zu lassen.
 |
| Sooo hoch liegt hier im Winter der Schnee! |
 |
| Fuchs und Hase? |
Vom Scheitelpunkt hinunter nach Süden zeigt sich der Cayolle von einer völlig anderen Seite. War die Auffahrt noch grün bewaldet und fast schon lieblich, so ist die Abfahrt ein echtes Spitzkehren-Vergnügen auf guter Piste in felsig-karger Landschaft.
 |
| Weiter |
 |
| Da muss man durch |
Guillaume ist dann immer der nette kleine Ort, in dem man gerne einmal, in einem der einladenden Cafés, eine Pause einlegen möchte. Passt aber leider auch heute nicht so recht in den Plan.
Vorgestern sind wir die D28 von Valberg gekommen - heute nehmen wir die kleinere D29 um über Péone nach Valberg zu kommen.
 |
| Guillaume |
Es geht den Berg hinauf und kurze Zeit später ist die ganze Umgebung in grauen Staub gehüllt. Lärmende Baumaschinen bearbeiten den Fels um die Fahrbahn zu erneuern und für uns sicherer zu machen. Die mit Tüchern und Atemmasken vor dem dichten Staub geschützten Bauarbeiter schwitzen in der Hitze - aber sie haben ein Herz für Biker und winken uns freundlich-beherzt durch.
Als wir den Marktplatz von Péone erreichen ist es auch dringend Zeit für eine Pause - leider ist aber die einzige Restauration am Platz geschlossen - Vorsaison halt.
Auch kein Problem - wir verschmelzen mit der Landschaft und anschließend schauen wir im Topcase nach, was dort so zur Stärkung vorhanden ist.
 |
| Peone - was für ein Anblick! |
Während wir hier noch stehen und uns über das bisher Erlebte unterhalten, zieht eisern der Radfahrer an uns vorbei, der mit uns durch die Baustelle gefahren ist. Bei der Weiterfahrt werden wir ihn dort überholen, wo er eine nach der anderen Spitzkehre hochzieht - das sind schon coole Biker.
Apropos coole Biker - unter ihnen sind auch viele Frauen, die wir mit ihren Rädern an den Pässen sehen - alle Achtung!
Gleich hinter Péone geht es in einer ganzen Reihe von Spitzkehren weiter den Berg hinauf - eine tolle kleine Straße, die uns von Norden nach Valberg bringt.
 |
| Valberg |
 |
| Tote Hose in den Sommermonaten |
Durch die Gorges du Cians
In Beuil treffen wir auf die Cians, deren Ufern wir nun für eine gute Stunde nach Süden folgen.
Die recht gut ausgebaute, immer wieder von kurzen engen Tunnels unterbrochene D28 führt uns zunächst durch die obere
"Gorges du Cians" 1440 / **** / SG2.
 |
| Blick auf Beuil |
 |
| Gorges du Cians |
Wie wir sie schon vorgestern aus der anderen Richtung erlebt haben, ist die Schlucht im oberen Teil ein besonders beeindruckender landschaftlicher Genuss im Zusammenspiel des roten Gesteins mit der üppig grünen Vegetation und dem rauschenden türkisfarbenen Wasser.
Wir sehen links die Abzweigung nach Pierlas an uns vorbeiziehen, ab hier ist die Cians-Schlucht Neuland für uns.
So nach und nach verliert sich das Rot der Schieferfelsen, dafür hat sich das wilde Wasser des Cians hier seit Jahrmillionen immer tiefer in den nun hellen Kalkstein gegraben. Felsnadeln, Klippen hoch über uns und große Felsbrocken neben uns im Fluss. Unser Weg windet sich entlang der zerklüfteten Felswände, aus deren Spalten unzählige kleinere und größere Wasserrinnsale und Wasserfälle fließen. Am Ende der Schlucht ergießt sich die Cians in den Var - 25 Kilometer und 1.600 Höhenmeter haben wir mit dem ungezähmten Fluss zurückgelegt - eine beeindruckende Reise durch den Canyon du Cians.
 |
| Schutzengel? |
Auf der überbreit ausgebauten D6202 fahren wir - jetzt auch ungezähmt - westwärts nach Puget-Théniers. Hier schwenken wir wieder nach Süden ab, überqueren die Bahngleise und den Var und klettern die D2211A zum Col Saint Raphael hinauf. Der Col an sich ist weniger spektakulär als die acht Spitzkehren dorthin - vor allem, wenn man sich auf dem Weg dorthin den Fahrspaß nicht durch zwei schwere, vollbeladene Bitumen-Laster verderben lassen will. Da heißt es - Mit Anspannung auf den Ausgang der nächsten Kurve warten - Frei? - Den Gasgriff auf Anschlag reißen - Und nichts wie vorbei! Zwei LKW's - acht Bikerinnen und Biker - sechzehn mal Adrenalin pur!!
 |
| Schatten! |
Nach einer kurzen Pause am Col Saint Raphael geht es weiter auf unserem Weg nach Entrevaux.
Eine kurze Zeit bleiben wir noch auf der gut ausgebauten D2211A, dann biegen wir nach rechts auf die D10 ab. Diese abenteuerliche Strecke durch den
"Nationalpark Mercantour" ist wieder ein absoluter Glücksgriff. Kein Reisebericht, kein Routenplaner und kein Navi mit kurviger Strecke gab die Idee zu dieser entlegenen Route. Einzig die beiden Passknacker-Punkte Col de Trebuchet und Col de Félines haben uns in diese tolle Bergregion gebracht.
 |
| Achtung- |
 |
| -Schafsland |
In La Rochette geht es durch einen Tunnel zu dem einsamen Bergdorf. Die ältere Dame auf der Bank vor ihrem Haus hat uns wohl schon länger den Berg hinauf kommen gehört. Sie schaut gespannt in unsere Richtung und lächelt, als wir winkend an ihr vorbeifahren. Viele Fremde wird man hier oben wohl nicht sehen.
 |
| La Rochette |
 |
| Tunnel zum einsamen Bergdorf |
 |
| D10 |
Hinter dem Col de Félines sehen wir zum ersten Mal die Festungsstadt Entrevaux - weit vor und unter uns liegen. Ein fantastischer Anblick aus unserer Position. Dort unten die altertümliche Stadt am Var, darüber die Festung und rundum die weiten Berge und Wälder. Was auffällt sind die vielen braunen und abgestorbenen Kiefern - ob Trockenheit oder Umweltschäden - es sieht schon bedenklich aus.
 |
| Entrevaux |
Einen kleinen Schreckmoment gibt es noch, als ein Reh mir fast vor's Vorderrad läuft. Im letzten Moment springt es mit einem schrillen Schrei ins Unterholz zurück - noch mal gut gegangen für uns beide.
Über etliche Spitzkehren geht es von der Höhe hinunter - immer im rechts- links- Rhythmus - das beeindruckende Panorama auf Entrevaux vor Augen.
 |
| Die Stadt und die Festung |
 |
| 280 km, 09-18 Uhr. Erstellt mit Tyre, RouteConverter und Google Maps |
Viele Spaß & tolle Touren
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen