Sonntag, 8. März 2020

Eine Sendung aus der Schweiz

März 2020



Wieder Zuhause - da fällt recht schnell der Blick auf die Post, die sich in der Zwischenzeit angesammelt hat. Ein hübsches Häuflein, das aber recht schnell auf ein Normalmaß schrumpft, nachdem die Wochenzeitschriften und die übrige Werbung aussortiert sind.
Dabei fällt mir gleich ein braunes Luftpolsterkuvert auf, dass, mit großer schwungvoller Handschrift, an mich adressiert ist. Aus Basel, was ja bekanntlich in der Schweiz liegt, erwarte ich zur Zeit keine Lieferung. Auch beim Absender bin ich zunächst noch etwas verhalten.



Der Inhalt fühlt sich etwas sperrig und fest an - ein Buch liegt anders in der Hand.
Da ich mit Raten nicht weiterkomme, wird der Brief schnell geöffnet und das Rätsel löst sich umgehend auf.
Ein freundliches Anschreiben, mehrere Passknacker-Aufkleber und die Urkunde für den Länderpreis Belgien - die 75 Nachweispunkte hatte ich in der vergangenen Saison erfolgreich geknackt. Da ich nicht damit gerechnet habe, dass der Preis auch zugeschickt wird, freue ich mich jetzt umso mehr über die schöne Auszeichnung.



Da auch noch das neue Passknacker-Poster 2020 beiliegt, werde ich, zur neuen Woche, die Halterung an der "X" nochmals optimieren - Luxemburg soll für mich in diesem Jahr als Länderwertung dazukommen. Ich freu mich schon drauf.

Viel Spaß & tolle Touren
wünscht HerBert


Montag, 2. März 2020

Es hätte ja noch schlimmer kommen können 2 / 2

 "Was sonst so war" - Erlebnisse ohne Motorrad

Ende Februar, Anfang März 2020

20:00 Wieder einmal läuft eines der Kofferbänder an und man schaut, eher beiläufig, hinüber. Wer einen der wenigen Sitzplätze ergattert hat, möchte den ja nicht für einen fremden Koffer aufgeben. Als dann die ersten Reisenden unseres Fluges mit strahlenden Gesichtern ihre Koffer aus dem fließenden Band der Gepäckstücke herausfischen, stehen bald alle Kreuzfahrtpassagiere mit erwartungsvollen Blicken neben- und hintereinander am Band. Ein wenig erinnert mich die Situation an das "Entchen-Angeln" mit unseren Enkelkindern. Manche haben Glück und strahlen schon bald mit ihrem Gewinn in den Händen, andere schauen immer noch konzentriert auf die vorbeiziehenden Gegenstände und befürchten so langsam, dass ihr persönlicher Hauptgewinn wohlmöglich abhanden gekommen sein könnte.
Egal, sobald man seinen eigenen Koffer im Auge hat, ist alles rundherum vergessen und fast schon wieder gut.
Während der reichlich vergangenen Wartezeit hat man sich natürlich schon ein Bild darüber gemacht, was die anderen Mitreisenden so vorhaben. Eine Gruppe ist ganz entspannt, sie hat über ein Buchungsportal, wenn auch weiter entfernt, eine Unterkunft buchen können. Eine zweite Gruppe will den Flughafen verlassen und per Taxi eine Unterkunft suchen. Eine weitere Gruppe möchte im Flughafen bleiben und sich dort, bis zum Abflug um sieben Uhr am nächsten Morgen, irgendwie einrichten.
Hier kann jetzt ein wenig Mathematik nicht schaden. Wenn wir ein Taxi nehmen und ganz schnell ein Hotel finden sind wir vielleicht um 21 Uhr auf dem Zimmer. Gut wäre es, anschließend noch etwas zu essen. Wenn es gut läuft, liegen wir gegen 23:00 in den Betten.
Abflug am nächsten Morgen ist um 7:00, Boarding um 5:00, Fahrt zum Flughafen 4:00, Aufstehen 3:00.
Summa summarum bleiben vier Stunden Schlaf - wenn man dann auch schlafen kann.

21:00 Wir schließen uns der Gruppe an, die im Flughafen bleiben will und gehen erst einmal auf die Suche nach etwas Essbarem.
Das und einen Sitzplatz finden wir in der Carlsberg Sports Bar Aeroporto Faro. Ein Abendessen und etwas zu trinken - die Fluggesellschaft wird's ja wohl zahlen.
Die Unterhaltung dreht sich um die Erlebnisse des Tages, und wie es wohl weitergehen wird.


23:00 So nach und nach leert sich der Flughafenbereich und auch die Carlsberg Sports Bar schließt.
Aber, am Ende des Tages, kommt dann doch noch das Glück zu uns. Eine nette Dame des Service Personals wird auf uns aufmerksam und erklärt uns - in viel portugiesischer und wenig englischer Sprache - dass wohl, ganz am Ende der Halle, ein Feldbettlager aufgebaut wurde, das mit gestrandeten Fluggästen vom Vortag belegt sei.
Das hört sich, in unserer Lage, recht gut an - und ist es auch.
Da für uns Neuzugänge nicht genügend Feldbetten vorhanden sind, organisiert eine uniformierte Dame die fehlenden Betten und Decken, die von einem engagierten Mitarbeitertrupp aufgebaut werden. Schnell ist alles zu einer Wagenburg, rund um unsere Koffer, aufgebaut - da lässt es sich gleich beruhigter mal die Augen schließen.



23:30 Fehlt noch ein Erkundungsrundgang um unser Camp. An der einen Seite steht eine ganze Batterie von Kalt- und Heißgetränken - auch Snacks gibt es in vielen Varianten.
Den Gang hoch liegen top gepflegte Waschanlagen - was wollen wir in unserer Lage mehr.



3:00 - Der nächste Morgen. In der Nacht summt das Handy - die Reederei hat sich gemeldet. Der Flug geht drei Stunden später los - aber das Schiff wartet auf uns.

5:00 Wir rollen uns vorsichtig aus unseren Feldbetten. So romantisch wie in einem Film war die Nacht eben doch nicht für unsere Rücken.

8:00 Zeitig checken wir ein - geschafft. Zollkontrolle, bummeln durch die Shops, dann zum Abflug.
Da steht dann - Abflug erst um 11:30.

11:30 sitzen wir im Flieger und warten auf unser Gepäck, dass um 11:50 endlich eingeladen wird.
Als der Kapitän uns kurz darauf mitteilt, dass der Flug, wegen der Flugstatus auf Gran Canaria, erst in drei Stunden losgehen kann und wir bis dahin das Flugzeug verlassen sollen, kommt es unter den Fluggästen zu heftigen Unmutsreaktionen. Der besonnenen Art des Zweiten Offiziers ist es wohl zu verdanken, dass die Situation nicht weiter eskaliert - einige Fluggäste bestehen immerhin auf einen Rückflug der Maschine nach Düsseldorf.
Den Abflugbereich des Flughafens Faro kennen wir jetzt auch schon ziemlich gut. Die Fluggesellschaft beruhigt uns zwei Mal mit einem Verzehrgutschein, den wohl alle beim netten Mann am Kiosk einlösen wollen. Am Ende ist er ausverkauft - für ihn ein tolles Geschäft.

16:30 Uhr Wir landen auf Gran Canaria. Alles ist gelb-grau bedeckt vom Sandsturm der letzten Tage. Die Flughafenmitarbeiter im Außenbereich tragen Masken - für uns kein alltäglicher Anblick.
Raus aus der Maschine und ab zum Kofferband. Während wir alle noch warten und warten und warten, kommt unser Gepäck nicht, wie angezeigt, auf Band 35, sondern auf 53 im Nebengebäude an - ein Zahlendreher kann ja mal passieren.
Ab jetzt klappt alles wie am Schnürchen. Raus aus dem Flughafen, rein in die wartenden Busse und ab zum Hafen.

18:00 Uhr: Und da liegt es, unser Schiff, dass, wie versprochen, tatsächlich auf uns gewartet hat.



Und danach: Mit einem Tag "Verspätung" verbringen wir eine schöne Zeit an Bord und bei unseren Ausflügen auf den Kanarischen Inseln.









Auf dem Rückflug gibt es noch einen kleinen Schreckmoment: "Sehr geehrte Damen und Herren, ich muss ihnen leider mitteilen, dass wir in Gran Canaria falsch beladen wurden ( unser Gepäck???). Anstatt Snacks haben wir jetzt die doppelte Menge an Getränken an Bord"
Wenn's nichts schlimmeres ist.

Was auffällt ist, dass ein erheblicher Prozentsatz der Passagiere hustet - darunter auch ich.

Einen Tag, nachdem wir wieder zu Hause sind, liege ich mit höherem Fieber im Bett. Dazu kommen Kopfschmerzen, Abgeschlagenheit, Geschmacks und Geruchsverlust. C treffen einen Tag später die gleichen Symptome, von denen wir uns erst einige Tage später wieder erholen. Insgesamt bleiben wir für vierzehn Tage in häuslicher Quarantäne.

Es hätte ja noch schlimmer kommen können.


Viel Spaß & tolle Touren
wünscht HerBert


Sonntag, 1. März 2020

Es hätte ja noch schlimmer kommen können 1 / 2

"Was sonst so war" - Erlebnisse ohne Motorrad
Ende Februar, Anfang März 2020


Eigentlich haben wir überhaupt keine Lust mehr auf diesen Urlaub - eine Kreuzfahrt zu den Kanaren, bereits vor acht Monaten gebucht.
Mittlerweile rückt nämlich das Corona Virus immer näher an uns heran, einige Kreuzfahrtschiffe, zwar noch weit entfernt, liegen bereits in Quarantäne. Jetzt wäre es schön, wenn vom Veranstalter eine Absage kommen würde, oder die Regierung würde eine Reisewarnung aussprechen - aber da kommt nichts.
Eher halbherzig packen wir unsere Koffer und in der Frühe fahren wir zum Flughafen Düsseldorf.
Nun sind wir ja keine großen Pauschalurlauber - unsere Flüge kann man an drei Fingern abzählen und ein Kreuzfahrtschiff kennen wir bisher nur aus dem Fernsehen.
Wie kommt man am besten, für eine 8-tägige Reise, zum Flughafen, welche Zusatzleistungen sind auf einem Schiff sinnvoll und welche Ausflüge möchte man auf den angelaufenen Inseln gerne machen? Ziemliches Neuland für uns, aber gute Tipps gibt's von all denen, die das schon einmal / mehrere Male gemacht haben.
Für die Anfahrt mit dem Auto buche ich schon zeitig beim "Parkvogel" einen Platz im Parkhaus am ISS-Dome in Düsseldorf. Diesen recht günstigen Tipp haben wir von einem Bekannten bekommen, der dieses Angebot schon mehrmals genutzt hat.

2:00 Der Wecker klingelt

3:00 Wir fahren los

4:00 Das hat super geklappt! Wir sind an der Schranke zur Einfahrt und als ich gerade den ausgedruckten Baar-Code in den Scanner stecken will, erledigt das ein freundlicher Mitarbeiter für mich.
Eine halbe Etage höher gibt's genügend Parkplätze und wenig später stehen wir auch schon mit unseren Koffern an der Haltestelle des Shuttle Service und steigen, mit einigen anderen Reisenden, in den gerade angekommen Bus. Der Bus fährt zu jeder halben Stunde und braucht tatsächlich nur neun Minuten, bis er uns am Flughafen absetzt.
Diese Stelle sollte man sich merken, denn dort steigt man, am Ende seiner Reise, auch wieder in den Bus. Das heißt, wenn man beim Rückflug seine Koffer glücklich eingesammelt hat, bleibt man auf der "Ankunft-Etage", geht ganz weit nach rechts bis zum letzten Ausgang und ist dann Draußen auch gleich an der richtigen Stelle für den Shuttle Service.
Wir sind jetzt erst einmal froh, am Flughafen angekommen zu sein. Durch den ersten Eingang kommen wir in die "Ankunft-Halle" und fahren mit der nächsten Rolltreppe eine Etage höher zum Abflug.
Schnell haben wir die Koffer aufgeben und nach den Kontrollen sitzen wir, mit vielen anderen Reisenden, im Café unseres Wartebereichs.



7:50 soll unser Flug nach Las Palmas de Gran Canaria losgehen, der wird jetzt schon mal um eine Stunde verschoben. O.K, im Urlaub hat man ja Zeit - Hauptsache, wir erreichen das Schiff rechtzeitig. Mit uns warten hier noch ca. 180 weitere Fluggäste, die sicherlich mehr Erfahrung haben als wir. Sie bleiben gelassen - wir sind beruhigt.

8:50 Kaum haben wir es uns in den Sitzen des Airbus A320 bequemen gemacht, informiert uns der Kapitän über eine weitere Verzögerung des Starts von 80 Minuten. Unser Schiff legt ja erst um 22 Uhr in Las Palmas ab - das ist noch locker zu schaffen.


10:10 Wir heben ab. Der Grund für die ganzen Verzögerungen ist ein Wetterphänomen auf den Kanaren.  Durch den Sahara-Sandsturm "Calima" stauen sich in Las Palmas die Flugzeuge und es wird eng mit den Landeplätzen.
Der Flug zu den Kanaren ist mit 4:45 Stunden geplant. Nach knapp vier Stunden teilt uns der Kapitän mit, dass alle Flughäfen auf den Kanarenaren gesperrt sind und dass wir uns nun, nach einer kompletten Wende, auf dem Flug nach Faro in Portugal befinden und erst morgen in Gran Canaria eintreffen werden - Schiff Ade?

15:15  Wir landen in Faro. Zunächst einmal tut sich nichts, bis der Kapitän uns mitteilt, dass das Flughafenpersonal hier völlig überlastet ist und unsere Koffer erstmal nicht entladen werden.

16:30 Dieser Zustand dauert über eine Stunde, dann beginnt das Entladen des Gepäcks und wir können das Flugzeug verlassen.

17:00 Die Ankunfthalle ist völlig überlastet und wir dürfen die Busse erst verlassen, nachdem sich die Vorhalle wieder geleert hat.
Für ca. 180 Gestrandete geht es jetzt darum, einen der Zettel zu ergattern, den zwei Flughafenmitarbeiter in die Höhe recken. Darauf teilt uns die Fluggesellschaft mit, dass der Flug, wegen der außergewöhnlichen Umstände, für heute ausgesetzt ist und morgen früh fortgesetzt wird. Wir mögen uns eine Unterkunft über ein bekanntes Buchungsportal besorgen und morgen zum Weiterflug hier erscheinen. Die Kosten für ein ***Hotel, die Taxifahrt und eine Verpflegung werden von der Fluggesellschaft übernommen.
Der Flughafen Faro ist nicht sonderlich groß, umso größer ist die Menschenmenge an dem einen Kofferband, das in Betrieb zu sein scheint. Jedes Mal, wenn das Band sich in Bewegung setzt, versuchen wir, im menschlichen Getümmel, einen Blick auf die vorbeiziehen Koffer zu erhaschen. Aber nie sind unsere dabei.

18:00 Da ich ja sonst nichts anderes zu tun habe als zu warten, versuche ich, über das angesprochene Buchungsportal, ein Zimmer für die Nacht zu bekommen. Das misslingt kläglich. Wegen der gestern und heute gestrandeten Reisenden sind keine Zimmer mehr in der Nähe zu bekommen. Weiter weg wäre noch etwas zu haben, aber hier scheitert die Buchung an der fehlenden Kreditkarte. Hier "rächt" es sich, dass ich davon ausgegangen bin, während einer Pauschalreise  solch eine Karte nicht zu benötigen.
Drei Anrufe führe ich in der überlauten Halle. Am anderen Ende der Leitung spricht man von Höherer Gewalt, hat viel Verständnis für unsere Lage und bedauert, dass man uns vor Ort nicht besser helfen kann.
Die Fluggesellschaft habe kein Personal vor Ort, der Reiseanbieter kann jetzt und hier gar nichts machen, und der Reederei tut das alles furchtbar leid - aber das Schiff warte auch noch bis morgen auf uns - versprochen.
Kurz darauf kommt von der Reederei eine Meldung aufs Handy: Weiterflug morgen um 7:00 Uhr - das Schiff wartet auf uns - für den Bustransfer zum Schiff ist gesorgt.

19:00 Dann müssten jetzt nur noch die Koffer kommen und eine Lösung für die Nacht gefunden werden.

Fortsetzung folgt

Viel Spaß & tolle Touren
wünscht HerBert