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Montag, 11. Juni 2018

Pässefeeling in den Lütticher Ardennen

WilderWestenWallonie
Wenn man die Alpen nicht gerade vor der Haustüre hat, kann man auch in den Ardennen eine spannende Motorradtour erleben. Mit Kurven, sogar Haarnadelkurven, Talfahrten und Steigungen und von Gipfel zu Gipfel.
"Col" liest man hier - im französischsprachigen Teil Belgiens - auf den Passschildern. Keine schroffen Felsen wie in den Alpen, eher grüne Hügel mit Ausblicken auf die liebliche Landschaft eines Mittelgebirges. Und es geht auch nicht so hoch hinauf - dabei können sich die Steigungen aber durchaus sehen lassen.

Es ist Wochenanfang - und zusammen mit ThomasK - möchte ich mir noch ein paar Punkte aus der "Passknacker"- Liste holen. Ich freue mich, dass ThomasK  heute dabei ist, denn zusätzlich zur netten Begleitung kann es ja immer einmal vorkommen, dass man in Situationen gerät, in denen man auf Hilfe angewiesen ist - wie es dann später auch noch passieren wird.
Zum Glück wurde seit diesem Jahr Belgien, und somit auch mein bevorzugtes Tourgebiet - die Lütticher Ardennen - in die Pässe-Karte aufgenommen. Im vorigen Jahr war es für mich schon schwierig, innerhalb einer Tagestour auf eine einigermaßen ordentliche Punktzahl zu kommen.
Für die zwölf Pässe, die ich für heute ausgesucht habe, werden rund 300 km zusammenkommen. Also geht es von Hückelhoven erst einmal nach Aldenhoven zur A44, die wir dann, eine halbe Stunde später, bei Eupen wieder verlassen.
Durch die "Hauptstadt" des deutschsprachigen Ostbelgien hindurch steigen wir, in weiten Schwüngen, zum Hohen Venn hinauf. Es geht an der bei Venn-Wanderern beliebten Restauration "Baraque Michel" vorbei und kurz darauf sind auch schon am ersten unserer heutigen Ziele angekommen.

"Le Mont Rigi" liegt auf dem Pass von Eupen nach Malmedy und ist mit 675 Metern auch gleich die höchste Stelle der Tour. So wirklich merkt man die Höhe ja nicht, da sich das Hochmoor rundum bis zum Horizont erstreckt - nur hier und da von kargem Baumwuchs unterbrochen.


Sagte ich eben noch zu ThomasK, dass wir heute fast nur bekannte Strecken fahren werden, so merke ich bald, dass das so nicht stimmt. Zu den bekannten Strecken kommen heute noch viele neue, schöne und kleine Wege und Weiler hinzu. Das Fahren von Col zu Col ist ein ganz anderes Reisen, als ich es bisher angewendet habe. Im Vordergrund steht nicht der nächsten Ort oder der Flusslauf durchs nächste Tal, sondern der kleine enge Weg bis hinauf zur nächsten Spitze. Das ist anders - einfach toll!
An der Strecke hinunter nach Malmedy weist ein Achtungschild auf vier Kilometer kurvige Strecke hin - ein Versprechen, über das man sich als Motorradfahrer doch sehr freut.
Nach Malmedy fahren wir durch Bellevaux - mit grandiosen Ausblicken in das schöne Tal.
Ab hier sind es wieder andere, kleine Wege, die uns zum immer sehenswerten Stavelot bringen. Die Restaurierung der alten Steinbrücke über die Ambleve ist seit unserem letzten Besuch im vergangenen Jahr leider noch nicht abgeschlossen. Einen kurzen Moment fühle ich mich versucht an der Sperrung vorbeizufahren - entschließe mich dann aber doch, den kleinen Umweg über die Eisenbrücke zu nehmen. Gut so - auf der anderen Seite der Steinbrücke legen die Pflasterer noch die Steine ins Sandbett - das wäre was geworden.
An der fotogenen dunkelroten Abtei vorbei verlassen wir Stavelot in nördlicher Richtung und haben bald unseren zweiten Stopp erreicht. Der Col de la Haute Levée ist der Pass von Stavelot nach Neuville. Auf 508m steht dort ein großes Gehöft, das uns als Foto-Hintergrund dient. Von der anderen Seite her schallt das Dröhnen der Ps- starken Motoren, die ihre Runden auf der Rennstrecke "Circuit de Spa- Francorchamps" drehen.


Bevor wir Spa erreichen biegen wir links ab und bei Riu scharf rechts. Wir haben gerade die Spitzkehre gut geschafft, da steht ein tolles rotes Fort-Mustang- Cabrio mitten in der Steigung. Mit Gesten fordert uns ein junger Mann zur Vorsicht auf, während zwei andere eine große Drohne starten. Wir fühlen uns wie in einem Film!
Gleich darauf sind wir an der Côte du Rosier - dem Pass von Spa nach La Gleize - auf 566m. Beim Foto kommt es, wie es ja mal kommen muss - ich vergesse das Poster wieder vom Nummernschild abzunehmen und einzupacken. Beim nächsten Stopp ist es dann natürlich weg. Macht aber nichts - ich habe ja noch mehrere dabei. Ist irgendwie ein Verschleißartikel.


Also nehme ich am Col du Maquisard ein neues Poster und klemme es jetzt auch wieder fest. Bleibt aber trotzdem die Frage, ob sich nicht ein besserer Befestigungspunkt finden lässt. Die Höhe beträgt hier am Pass von Spa nach Remouchamps nur noch 367m. Auf der rechten Seite liegt ein schöner Park mit Bänken - toll für eine Pause.


An der Côte de la Vecquée, am Pass von Spa nach Targnon, sind wir nochmals auf einer luftigen Höhe von 525m. Dann geht es hinunter nach Strumont.
Hinter Targnon biegen wir stark links ab und überqueren gleich darauf die Ambleve. Auf der Brücke über den bei Kanufahrern sehr beliebten Ardennenfluss kommt uns ein Konvoi von vier Motorradpolizisten entgegen. Ein toller Anblick, wie sie da auf ihren weißen schweren BMW's an uns vorbeifahren und uns freundlich grüßen - Belgien erscheint mir immer besonders motorradfreundlich zu sein.


Kurz hinter dem Ort Xhierfomont liegt der gleichnamige Pass von Targnon nach Moulin de Rahier. 358m Höhe und am Nachweispunkt, am Doppel-Strommast auf der Kuppe, sitzen vier Wanderinnen und Wanderer auf der Rastbank.
Auf französisch, deutsch und englisch entwickelt sich ein fröhliches und beiderseits informatives Gespräch über das woher und wohin und vor allem, weshalb wir von Hückelhoven - zwischen Alemannia-Aachen und Borussia-Mönchengladbach - hierhergekommen sind.
Ich hoffe, dass das einigermaßen gut rübergekommen ist. Auf jeden Fall lässt es sich der "Chef" der Gruppe nicht nehmen, das Nachweisfoto für mich zu machen und alle rufen uns noch ein fröhliches "bon voyage" hinterher. Schön wars an der Côte de Xhierfomont.


Wir fahren das Stück bis zur Brücke wieder zurück und folgen dem eiligen Lauf der Ambleve bis zum Abzweig nach Lorce. Durch schöne Waldpassagen geht es bis zur E25, auf der sich der Autoverkehr von Lüttich nach Süden - und umgekehrt - bewegt. An und über dieser Autobahn befindet sich, etwas unromantisch gelegen, unser nächster Pass - der Col de Stoque - auf 347m.


Als wir wieder losfahren wollen - so 20 Minuten werden wohl vergangenen sein - macht die "X" beim Starten des Anlassers jenes unschöne Geräusch - krrrrr. Blöde Angewohnheit von mir, den Motor mit dem Ausschwenken des Seitenständers abzuschalten. Regelmäßig vergesse ich danach, mit dem Schlüssel die Zündung auszuschalten. Licht und Navi holen sich dann was sie so brauchen und zum Starten ist dann nicht mehr genügend Energie vorhanden.
Na super, ein Powerpack als Starterbatterie hat es bei mir gerade mal bis auf die Wunschliste geschafft und die Strecke vor mir geht natürlich nicht abwärts, sondern leicht aufwärts. Aber in gut 200m Entfernung ist der Horizont hinter der Kuppe zu sehen. Also wird die "X" den Hügel hinaufgeschoben und siehe da, hinter der Kuppe geht es wie erwartet, zwar nur leicht, aber immerhin - es geht hinunter.
Um den Motor anzuschmeißen wird das leider nicht reichen - aber ThomasK hat da einen zirkusreifen Plan. Er stellt seinen rechten Fuß auf die linke Soziusraste der "X" und mit der Kraft seiner Scrambler schiebt er mein Bike und mich solange den Hügel hinunter, bis wir Speed genug für einen erfolgreichen Startversuch haben. Yeah!

ThomasK und die Triumph Scrambler - meine Helden des Tages
Durch die künstlerische Einlage sind wir zwar leicht von der Route angekommen, aber TomTom gleicht das wie immer geschickt und klaglos aus. Über Harze und Aiwan führt er uns zur Côte de Chambralles hinauf. Der Pass von Martinrive nach Aywaille liegt zwar nur auf 267m, hat aber eine schöne Auf- und Abfahrt.


Hohe Steinmauern, eiserne Tore - ich habe mir schon immer gedacht, dass die Belgier einen gewaltigen Respekt vor ihren Toten haben müssen.

In Fraiture ist das Ortsschild der Nachweis für den Pass von Pont der Scay nach Martinrive, 259m.


Wenig später ist dann das Drehfunkfeuer auf 285m in Lincé das Kennzeichen für den Pass von Souverain-Pré nach Sprimont.


Für den Weg zum vorletzten Pass hat sich TomTom nun etwas ganz besonderes ausgedacht. Da ich diese, wie fast alle Touren im "Öko-Modus" fahre, geht es jetzt aber voll ab ins Grüne. Die Rue Hazaie in Lincé verengt sich zum kleinen Weg, hinunter in den Wald. Er wird immer schmäler und der Asphalt immer brüchiger, bis nur noch eine ausgewaschene Spur aus dem losen Geröll des Unterbaus vorhanden ist. Ich denke noch, ehe wir hier ein Wendemanöver hinbekommen fahren wir gleich besser bis ganz hinunter. Dann verschwindet auch der Rest des Weges im Wasser.  Wir stehen vor einer Furth.


"C" meinte später, das wäre ja wohl eher eine bessere Pfütze gewesen. Auf Bildern sieht das ja immer ganz einfach aus, ich hatte jedenfalls noch nie so viel Wasser unter den Rädern meines Bikes.


Den weiteren Weg hinauf sehe ich mir lieber erst mal zu Fuß an - kicke die "größten Brocken" zur Seite - dann geht es ein wenig atemlos, aber zufrieden mit den Bikes hinauf.


Der Col de la Haie des Pauvres liegt unspektakulär auf 237m und ist der Pass von Esneux nach Méry.


Unsere Pässetour durch die Lütticher Ardennen neigt sich dem Ende zu. Am Col de Béole sind wir zwar nur noch auf 220m Höhe, aber dafür sieht es hier im Wohngebiet ganz nett aus.


Auf der Rückfahrt bleiben wir der Autobahn fern - da gibt's rechts und links des Weges schönes zu sehen. Und selbst durch's altehrwürdige Aachen trägt uns der Feierabendverkehr freundlich und ungehindert  hindurch.


Passknacker-Rangliste: Von Platz 177 auf 167 von 200 

Lütticher-Ardennen: Erstellt mit Tyre, Google Maps und RouteConverter
Die Tour zum "Download" auf der BikerSzene

Viel Spaß & tolle Touren
wünscht HerBert

Sonntag, 13. Mai 2018

Pferde und Motorräder...

...legen sich nicht zum Schlafen hin!
Mai 2018 - zwischendurch noch ein paar "Passknacker"-Punkte in der Rur-Eifel sammeln.
Ich brauche unbedingt mehr Fahrpraxis - wir haben schon Anfang Mai und die Feinmotorik für's Motorradfahren hat sich noch nicht so wirklich bei mir eingestellt. Mehrere Prio1 Projekte - rund ums Haus - lassen mich nicht so recht in den Sattel kommen.
Da ich jetzt mit dem Umbau des ehemaligen Tankraums fertig bin, ist zur Belohnung - bei tollem Sonnenschein - eine Tour durch die Rur-Eifel fällig. Und natürlich lohnt es sich dann auch gleich - wenn man schon mal in der Gegend ist - ein paar Passknacker-Punkte aufzusammeln.

Freitagmorgen, schönster Sonnenschein, kaum Verkehr. Schön ruhig geht es über Aldenhoven, Eschweiler und Breinigerberg zum ersten Treff mit den heutigen Passknacker-Punkten. Der Pass, oder besser die Wasserscheide von Zweifall nach Breinigerheide, liegt zwischen Breinig und Zweifall und heißt Frackersberg / Roggenläger.
Das Motorrad hier verkehrssicher abzustellen ist ein wenig tricky, denn das zweiteilige Straßenschild steht etwas weit weg und die Sonne blendet auf der Lamenierfolie des Passknacker-Posters. Kurz darauf ist das erste Nachweis-Foto geknipst und es geht weiter zum nächsten Zielpunkt.

Straßenschild Frackersberg / Roggenläger, zwischen Zweifall und Breinig

Einmal längs durch das schöne Zweifall und dann die schnellen Kurven hinauf zum neuen Kreisverkehr bei Raffelsbrand. Die Verkehrssicherheit hat sich hier jetzt deutlich verbessert.
Noch ein kleines Stück in Richtung Lammersdorf, dann liegt auch schon, auf der linken Seite, der Parkplatz Langschoss mit der Wasserscheide von Lammersdorf Kalltal nach Kallbrück. Hier geht alles reibungslos - nur hätte ich vor der Weiterfahrt fast vergessen, das Poster wieder einzupacken - nochmal gut gegangen.

Parkplatz Langschoss

"Fringshaus" / Himmelsleiter ist die Wasserscheide von Walheim nach Konzen. Während meiner Berufszeit bin ich hier öfters vorbeigekommen - unvergesslich an frühen Wintertagen und bei Neuschnee die Himmelsleiter hinaufzufahren und am Fringshaus dann wieder hinunter nach Ingenbroich - eine coole Schlittenfahrt für einen Flachlandbewohner wie mich.

Fringshaus, auf der Kuppe der Himmelsleiter von Roetgen

Bei Konzen geht es auf schönen kleinen Straßen nach Mützenich und von dort zu einem Abstecher ins Hohe Venn nach Belgien. An der Grünen Grenze lese ich, dass die Straße im Moment nur bis zum Haus Ternell befahrbar ist. Das kann ja nur bedeuten, dass die Rüttelstrecke von dort bis Eupen endlich erneut wird - eine Marterstrecke für Mensch und Maschine weniger. Das "Hohe Venn" ist eine äußerst interessante Landschaft und Ziel vieler Wanderer. Nachdem ich ein Nachweisfoto vom Brackvenn, dem Pass von Eupen nach Monschau geschossen habe, setze ich mich auf eine Bank, esse das mitgebrachtes Frühstück, trinke Café au Lait aus meinem Thermos-Becher und genieße es einfach hier zu sein.

Wanderparkplatz Brackvenn

Von Mützenich nach Kalterherberg geht's ganz toll am Kloster Reichenstein vorbei - nur im Moment nicht. Bagger reißen die Straße auf und verlegen neue Kanalrohre. Vorgeschlagen wird eine Umleitung über Monschau. Beim dritten Versuch schaffe ich es dann aber doch noch die Sperrung auszutricksen - Motorradfahrer können das!
Hinter Kalterherberg geht's wieder nach Belgien und in weiten Schwüngen  durch die tolle Heidelandschaft. Am Lager Elsenborn vorbei führt eine Betonplatten-Piste hinauf auf die Roderhöhe. Auf 622 Metern Höhe dienen hier die großen Windräder als Nachweis für den Pass von Wirtsfeld nach Kalterherberg. Man steht sehr nahe an den rot/weißen Masten und die Rotorblätter drehen sich unaufhörlich mit einem eigenartigen tiefen Surren. Hinter mir ist Militärisches Sperrgebiet - nichts wie weg, sonst tauchen gleich noch ein paar Militaires in Tarnanzügen auf und wollen wissen, was ich da so fotografiere.

Röderhöhe

"Ich stehe hier vor dem militärischen Sperrgebiet Lager Elsenborn/Roderhöhe"

Den nächsten Punkt, die südlichste Stelle der heutigen Tour, erreiche ich über Wirtsfeld, Büllingen und und Hünningen - "Losheimergraben" an der deutsch-belgischen Grenze. Hier, in Ost-Belgien, klingen die Ortsnamen deutsch und auf Fragen wird einem in der Regel auch auf deutsch geantwortet. Das Hotel Schröder, amPass von Manderfeld nach Bullange, liegt mit 677 Metern nur um wenige Meter unterhalb der höchsten Erhebung Belgiens. "Signal de Botragne", auf der Hochebene des Hohen Venn, erreicht immerhin mit 694 Metern, den Höchstwert in Belgien.

Hotel Schröder - Losheimergraben

Gleich hinter dem Hotel geht es auf der deutschen Seite zügig die paar Kilometer bis zum Hinweisschild "Weißer Stein" (Eifel). Im Winter ein beliebtes Langlaufgebiet am Pass von Losheim nach Schleiden, trifft man hier in der übrigen Zeit auf Wanderer, die die weite Einsamkeit auf 695 Metern Höhe suchen.

Weißer Stein bei Hellental in der Eifel

Die weitere Strecke könnte ich über die schnelle B265 in Richtung Hellenthal nehmen - ich entscheide mich aber für die belgische Seite. Dazu geht es erst noch einmal zurück zum Losheimer Graben und dann durch Mürringen, Krinkelt und Rocherath. In diesen ruhigen kleinen Dörfern und Weilern scheint die Zeit stillgestanden zu sein - nur ganz langsam und leise fahre ich mit meiner "X" an den alten Steinhäusern und Bauernhöfen vorbei - um nur ja niemanden zu erschrecken.
Der Wanderparkplatz Rothe Kreuz / Wahlscheid liegt an der Wasserscheide von Monschau nach Schleiden. Ein kurzer Fotostopp, dann geht es über Rohren, Hammer und Dedenborn zum Rursee.

Wanderparkplatz Rothe Kreuz / Wahlscheid

Da die letzten beiden Knackpunkte auf der anderen Seite des Stausees liegen, will ich in Einruhr eine Mittagspause am Ufer einlegen.
Gegenüber des Hotels Seemöwe gibt es schöne Bänke am Seeufer mit Blick auf den Fähranleger der Rurseeflotte.
Im Vorbeifahren sehe ich, wie einer der begehrten Parkplätze auf der Seestraße frei wird. Also leite ich mit der "X" ein Wendemanöver auf der schmalen Straße ein. Fast habe ich die Wendung geschafft, das Vorderrad geht auch die flache Bordsteinkante hinauf, aber fürs Hinterrad wird der Winkel während der Wendung zu spitz. Die "X" bekommt einen Schups nach links und neigt sich bedenklich in diese Richtung. Schnell ist mein linker Fuß auf dem Boden und einen Moment denke ich noch, dass ich es schaffen kann. Während ich noch beobachte, wie die St. Nikolaus am Schiffsanleger fest macht, gewinnt die Schwerkraft so langsam die Oberhand. Das Einzige, was ich noch tun kann ist, den Aufprall auf dem Boden mit Gegenhalten etwas abzumildern. Dann liegt Sie da und ich bin irgendwie erleichtert, dass dieser Schreckmoment jetzt ersteinmal vorbei ist.
Als ich mich langsam aufrichte und aus meinem Helm heraus nach vorne schaue, schauen alle Gäste auf der Therasse des Hotels Möwe in meine Richtung. Alle meine Altersgruppe und Plus. Säße dort die Smartphone-Generation würden jetzt wahrscheinlich die Handys gezückt und Fotos und Videos in den sozialen Medien hochgeladen.
Nichts von dem - Hilfe naht sofort. Ob es mir gut gehe und ob man mir mit meinem Motorrad helfen könne? Das tut in solchen Fällen unheimlich gut und kurz darauf steht die "X" wieder auf ihren Rädern. Ich hoffe, ich habe mich ausreichend bedankt - irgendwie stehe ich ja immer noch neben mir.
Nachdem mein Bike sicher auf der Parklücke steht muss jetzt endlich der Helm runter - den habe ich ja immer noch auf. Die Jacke aus - denn mir ist bei der Aktion ziemlich warm geworden. Aus den Augenwinkeln sehe ich noch die "St. Nikolaus" davonschippen - eigenartigerweise bedauere ich das noch am meisten.
Eine erste Schadenkontrolle zeigt, das die "X" und ich noch ganz gut davongekommen sind. Oben hat das Gestänge des linken Handprotektors den Umfaller abgefangen - da bleiben nur ein paar Kratzer an der Kunststoffschale. Unten ist der Schalthebel etwas nach innen gebogen und die Fußraste ein wenig nach hinten. Den Schalthebel biege ich Zuhause wieder zurecht, die Fußraste kann so bleiben.
Mit meiner Butterbrotdose und dem Thermos-Becher in der Hand geht's jetzt endlich auf eine der Bänke am Seeufer.
Nach einer knappen Stunde ist alles wieder gut - und die Fahrt geht weiter. Bei den ersten tollen Kurven zur Ordensburg Vogelsang hinauf ist auch schon wieder alles vergessen.

Die "X" und das Hotel Seemöwe in Einruhr

Am Haus "Kermeter" liegt die Wasserscheide von Gemünd-Schleiden. Nach dem Foto geht es von dort aus hinunter zur "Rurtalsperre Schwammenauel" und dann gleich die tollen Kurven nach Schmidt hinauf.

Haus Kermeter oberhalb Schwammenauel

In Schmidt gibt's das letzte Passknacker-Foto für heute und jetzt geht es auf die Heimfahrt.

St. Hubertuskirche in Schmidt

Von dem Umfaller abgesehen war es ein toller Tourtag, der mich in der Passknacker-Rangliste von Platz 164 auf Platz 137 von 176 brachte. Mal sehen wo es als nächstes hin geht - wie man sieht muss ich ja noch etwas üben!


Erstellt mit Routeconverter und Google Maps

Viel Spaß & tolle Touren
wünscht HerBert


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Samstag, 21. Mai 2011

Venn und Seenroute Ostbelgien Eupen Malmedy

Natur im "Breitbildformat"


Auf den gut ausgeschilderten Themen-Routen durch das östliche Belgien ist es leicht, sich in die Landschaft und die bemerkenswerte Architektur unseres motorradfreundlichen Nachbarlandes zu verlieben.
Mir jedenfalls ist es so gegangen, als ich vor Jahren zum ersten Mal, damals mit meiner kleinen Virago, in die mir bis dahin noch unbekannten Ardennen fuhr. Vom ersten Moment an war ich von dieser beeindruckenden und erlebnisreichen Region zwischen Eifel, Belgien, Frankreich und Luxemburg gefangen - zahlreiche Touren bin ich seitdem dorthin gefahren.

Die Venn und Seenroute führt entlang der Stauseen Ostbelgiens und über das beeindruckende Hochplateau des Hohen Venn. Die rund 150 Kilometer lange Tour ist  im Uhrzeigersinn ausgeschildert durchweg auch für Motorrad-Anfänger und Fahrten mit Sozia geeignet. Auch mit dem Auto macht es großen Spaß, der Rundtour zu folgen und an den vielen schönen Aussichtspunkten Cafés und Bistros eine kleine Rast einzulegen - oft mit dem Gefühl - als wäre man in einer anderen Welt.
Mit der Zeit habe ich den Tourverlauf ein wenig angepasst und verändert, aber nach ein paar lohnenswerten Schlenkern geht es dann immer wieder auf die ausgeschilderte Route zurück.

Über die A44/E40 erreichen wir Eupen, wo wir unsere Rundtour starten. Der Name der Stadt taucht zum ersten Mal im 13. Jh. auf, doch ihren ersten Aufschwung erlebte die Stadt nach 1680. Das weiche Venn-Wasser trug dazu bei, dass hier eine wohlhabende Textilindustrie entstand.
Wir fahren vorbei an der barocken Sankt-Nikolaus-Kirche und den alten Patrizierhäusern der ehemaligen Tuchmacherfamilien



Über die Monschauer Straße verlassen wir Eupen in Richtung Deutschland. Im Kreisverkehr außerhalb der Stadtgrenze nehmen wir die zweite Ausfahrt und unternehmen einen Abstecher zur Wesertalsperre, die Eupen seit 1951 mit Trinkwasser versorgt. Die Auffahrt mit dem Bike und die Überquerung der Staumauer ist ein tolles und beeindruckendes Erlebnis.
Von der Sonnenterrasse des "Cafe- Restaurant" bietet sich dann  ein herrlicher Ausblick auf die Wald- und Seenlandschaft der Wesertalsperre - mit 124ha Wasseroberfläche.


Mai 2011 - "Weiches Wasser" mit Thomas & Birgit, Ute, Matthias & Ulrike, Albert, Sander, Helmut, Babs, Georg & Verena, Rolf, Günter,
Christine - TG Herbert, RL ThomasK





Auf dem Weg zurück nehmen wir im Kreisverkehr die zweite Ausfahrt Richtung Monschau und folgen wieder den sechseckigen Hinweisschildern, die je nach Landessprache mit „VENN u.SEEN Route“ oder „Route FAGNES et LACS“ beschriftet sind.


Venn u.Seen Route ©

Die nun folgende Strecke, quer durch die Wald- und Vennlandschaft bis zum Haus Ternell, erfordert von Mensch und Maschine ein Höchstmaß an Rüttel- und Schüttelfestigkeit.
Haus Ternell ist ein naturkundliches Museum des Gesteins und der Mineralien dieses Gebiets. "Die Brasserie - Restauration" wird immer gerne von Bikern und Wanderern besucht.




Juni 2007 - Unterwegs auf der Venn und Seenroute mit Thomas, Brigitte, Wolfgang, Manuela, Peter, TG HerBert und Martina


Weiter in Richtung Monschau überqueren wir bei Mützenich die deutsche Grenze und fahren auf gewundenen Pfaden am Kloster Reichenstein, ein Kloster, das vor allem Pilgern und Reisenden als Herberge diente, nach Kalterherberg.

Ein kleiner Abstecher von der Route bringt uns nach Leykaul, zur Gleisanlage der stillgelegten Venn-Eisenbahn. Hier hat man die Möglichkeit, einmal auf einer  Draisine und mit eigener Muskelkraft, auf einer Strecke von 7 km die tolle Landschaft des Hohen Venn zu erobern. Wieder zurück am Ausgangspunkt warten schon ein Kaffee und eine Belgische Waffel in einem Waggon aus den 50er Jahren auf die hungrigen Abenteurer - ein tolles Erlebnis, das man so schnell nicht mehr vergisst.
Freizeittipp: "RailBike des Hautes Fagnes"



Kurz darauf sind wir wieder auf belgischem Gebiet. Die nun folgende Strecke lässt unsere Bikes nur so über das „Hohe Venn“ dahinfliegen. Ein herrliches Gefühl!
Mit Sourbrodt und Robertville erreichen wir den französisch sprechenden Teil Belgiens. Robertville mit seiner Burg Reinhardstein ist ein beliebtes Ausflugsziel. Hier stehen noch einige schöne Häuser aus dem 18. Jh.



Wir überqueren den Lac Robertville, der 1928 eingeweiht wurde und gelangen durch eine bezaubernde Naturlandschaft über kleinste Straßen und Dörfer über Champagne zum Ort Weywertz. Dieses Dorf ist vom Krieg sozusagen verschont geblieben und hat sich somit sein typisches Aussehen eines Venndorfes erhalten. Einige alte Bauernhäuser sind umgeben von kurz geschnittenen Hecken und Laubengängen. Die alte Linde vor der Kirche wurde im Jahre 1668 gepflanzt.



Nach Nidrum folgt Bütgenbach, ein alter Burgort, der heute vor allem ein Sport- und Freizeitzentrum ist.
Einkehrtipp: "Café Heinen in Bütgenbach"


Mai 2014 - "Kleine Ardennen-Weiler" mit Birgit & Thomas, Ute, Matthias & Ulrike, Helmut, Uli, Rainer. TG HerBert, RL ThomasK

Durch ein großes Waldgebiet fahren wir entlang des Stausees Büttgenbach, überqueren diesen und gelangen zum sympathischen Dörfchen Wirtzfeld.
Diese Ortschaft zählt nicht weniger als 11 Brücken. Die St.-Anna-Kirche stammt aus dem 11.Jh. Der Predigtstuhl stammt noch aus der Zeit Ludwigs XIV.
Mit Rocherath erreichen wir, mit immerhin 650m NN, das höchstgelegene Dorf Belgiens.
Nach Büllingen folgt Amel und ab dort durchqueren wir herrliche, typisch Eifler Wiesenlandschaften.
Es folgen Schoppen, Faymonville, Remonval, Montenau.
Einkaufstipp: "Montenauer Schinken-Räucherei"

Weiter geht es über Born, Kaiserbaracke und Recht. Hier begegnet man dem „Rechter Blaustein“ auf Schritt und Tritt. Fenster- und Türrahmen, Kreuze und feine Bildhauerarbeiten zeugen heute noch von einer hohen Handwerkskunst.



Entlang des Rechter Bachs erheben sich vereinzelt kleine Hügel in der Landschaft. Diese Hügel wurden nach und nach von Goldsuchern abgetragen, die hier seit der Antike ihr Glück suchen.
Dann geht es nach Pont und Ligneuville. Dieser Ort  gilt als die inoffizielle Metropole der Forellenzucht. Hier befindet sich die größte Forellenzucht Europas.
Der Ort Belleveaux macht seinem Namen alle Ehre. Bei der Bergfahrt genießen wir das herrliche Panorama auf den schroffen Felsen und über das liebliche Warchetal.
Einkehrtipp: "Brasserie de Bellevaux"



Über Falize, ein beliebtes Wanderziel, gelangen wir nach Malmedy,  die älteste Stadt der Region, aus dem Jahre 648. Im Laufe der Jahrhunderte wurde Malmedy dank der Papier und Lederindustrie zu einer wohlhabenden Stadt. Sehenswert sind die Kathedrale und die daran angegliederten Klostergebäude. Auf der Place Albert 1er, direkt im Schatten der Kathedrale, lohnt sich immer eine kleine Pause in einem der romantischen Straßencafés.






Der Weg aus Malmedy heraus schraubt uns über einige schöne Serpentinen hinauf aufs „Hohe Venn". Dort geht es in fliegender Fahrt durch typische Venn-Landschaften. An einer Weggabelung passieren wir die Cafe-Restaurationen "Mont Rigi". Kurz darauf folgt "Baraque Michel". Die Einsiedelei hat eine bewegte Geschichte. Die Restauration ist das Zentrum des „Hohen Venn“ und der Ausgangspunkt zahlreicher Wanderwege.




 




In weiten Schwüngen durchfahren wir anschließend den Hertogenwald bis hinunter nach Eupen. Hier geht es wieder auf die A40 und nach 270 km und einer reinen Fahrzeit von 5:30 Std. sind wir - bei unserer Tour 2007 - wieder am Ausgangspunkt bei Elly’s, an der B57 angelangt.

Auf der Venn und Seenroute ca. 150 km
Den Download zur Tour gibt's  "hier"


Viel Spaß & tolle Touren
wünscht HerBert