Sonntag, 26. Mai 2019

Dinant im Regen

Tour im Mai 2019


Die Wettervorhersagen für das heutige Tourziel waren eben noch ganz gut - jetzt orakelt mir die Wetter-App: "Am Nachmittag leichter Regen in den Ardennen".
Na gut, ein wenig Regen ist ja nicht so schlimm, der kann zu einer Tagestour durchaus einmal dazugehören. 
Da es heutemorgen auch noch recht gut aussieht, starten wir um 9:00 Uhr in Hückelhoven Baal und um 9:30 am McD in Aldenhoven.
Es geht nach Dinant - eine der "Perlen der Maas" - in den belgischen Ardennen. 
Zu meinem Ziel, im Tourjahr 2019 alle 75 Passknacker-Punkte  Belgiens anzufahren, werden heute wieder wichtige Punkte hinzukommen. Meine Gefährten Birgit & Thomas, Günter, Heike, Helmut, Rainer und ThomasK begleiten und unterstützen mich heute auf dieser interessanten Mission.

McD Aldenhoven
Auf der A44 geht es dei Lichtenbusch über die belgische Grenze. Jetzt folgen wir parallel der Trasse des Thalys von Aachen nach Paris. So oft ich an dieser Strecke schon entlanggefahren bin, dem Hochgeschwindigkeitszug bin ich leider noch nicht begegnet. Demnächst schaue ich mal auf dessen Fahrplan und gönne mir ein Rennen mit dem Thalys :)

Geisterrennen mit dem Thallys

Dafür ist dann später der Blick in den Talkessel von Verviers immer wieder aufs neue beeindruckend.

Talkessel von Verviers
Immer ein wenig spannend für mich, hier zu fahren

Überhaupt hat sich nun die Architektur der Städte und deren Aussehen sehr verändert. Eindrucksvolle Gebäude und Kirchen aus Naturstein prägen die wallonische Stadt "Theux", in der Provinz Lüttich.

Eindrucksvoll

Église Saints-Hermés-et-Alexandre de Theix
Herrschaftliche Gebäude

Selbst der Friedhof präsentiert sich hier wie eine Festung aus belgischem Blaustein. Starke Mauern und Tore aus Schmiedeeisen - hier kommt so schnell keiner rein! - oder raus?

Fest gemauert

Kurz vor Sprimont überqueren wir die E25 Lüttich - Bastogne. Dort hat mich schon immer der Kreisverkehr aus belgischen Blausteinquadern, Wasserfontänen und einer Kugel aus Glasscheiben - auf einer hohen Metallsäule - beeindruckt.
Bisher habe ich es leider noch nicht geschafft, ein Foto dieses Kunstwerks zu schießen. Umso größer war meine Freude, dass Birgit, ganz ohne Absprache, meinen heutigen "Lieblings-Kreisverkehr" so toll getroffen hat. Chapeau!


Ardenne bleue
Sprimont
Kreisverkehr
Gut eine Stunde sind wir unterwegs und nähern uns dem ersten von zehn Passknackerpunkten, die heute an unserer Ardennenroute liegen.


Nach gut einer Stunde


Fraiture

Passknacker-Foto


Gut drauf

Fraiture ist ein nettes kleines Dorf oberhalb der Einmündung der Ambleve in die Ourthe. Hier ist alles so, wie ich es an den Ardennen so mag: Eine Kirche, rundherum Wohnhäuser aus hellem Naturstein und ein Marktplatz als Dorfkern.

Kirche
Naturdteinhäuser

Dorfplatz

Wieder hinaus...
...in die Landschaft

Aus dem Tal der Ambleve heraus überqueren wir den Fluss und steigen hinauf auf den Col de Chambralles. Die Höhe von 267m lockt heute ganze Herscharen von Rennradfahrern an, die sich uns bergabwärts in "halsbrecherischem" Tempo entgegenstürzen. Kurvenschneiden und die ganze Fahrbahn für sich und den Nebenmann nutzen - das gehört da einfach dazu. Beachtlich ist auch die Kommunikation der Fahrer untereinander - laute Pfiffe und Rufe bringen die nachfolgenden Fahrer immer noch rechtzeitig in die richtige Spur - und uns unbeschadet den Hügeln hinauf.

Fahren wie die Teufel

Da kommen schon wieder welche
Manchmal ist es nicht so leicht, ein Foto für die Passknacker-Dokumentation zu schießen. Da uns die Rennräder an der Cote de Chambralles eine winzig kleine Lücke lassen, klappt es mit dem Foto so eben!

Die eine Lücke im Rennrad-Pulk, an der Côte de Chambralles

An Durbuy vorbei geht es nun zielstrebig westwärts - bei noch leicht blauem Himmel - aber schon mit zunehmender Bewölkung.

Zunehmende Bewölkung

Brücke über die Ourthe in Hamoir
Kirche in Oquier
Das Wetter schlägt um - es wird windig, dunkle Wolken ziehen auf und erste Regentropfen fallen - da lasse ich den nächsten PK-Punkt lieber aus.  Während wir unsere Route - nun ohne Umwege - direkt auf Dinant ausrichten, lassen sich die Bewohner, auf der Weide gleich neben uns, weder durch das Wetter, noch durch uns aus der Ruhe bringen.

Route neu ausrichten

Nicht aus der Ruhe bringen lassen

Die Regenkombi anziehen!!! - Warum ziert man sich da immer?
Zum einen natürlich, weil es umständlich ist sie anzuziehen, und vielleicht zieht der Regen gleich schon weiter. Es ist ja auch eher unpraktisch und hinderlich, mit dieser zusätzlichen Bekleidungsschicht herumzufahren.
Also abwarten, ob es gleich wieder aufhört zu regnen. Dann wäre man ja ruckzuck wieder trocken gefahren.
Es hört aber nicht auf zu regnen! Jetzt muss gehandelt werden.
Ist der nächste Stopp noch erreichbar, bevor man völlig durchnässt ist? Dann - Augen zu und durch.
Es regnet stärker!!! Jetzt wäre eine Tankstelle oder wenigstens eine Brücke eine schöne Sache.
Kannst du vergessen - so etwas käme in den Ardennen einem Lottogewinn gleich.
Also innerhalb der nächsten drei Minuten - danach lohnt es sich wahrscheinlich schon nicht mehr -  Ausschau nach einem sicheren Halteplatz halten. Ein Baum, oder mehrere, wäre von Vorteil - muss aber nicht sein.
Auch wenn dann Jacke und Hose etwas feucht geworden sind - das trocknet so langsam unter Regenjacke und Hose wieder weg. Hauptsache, man bleibt warm.
Anders sieht es aus, wenn jemand in deiner Gruppe in Leder fährt!
Da heißt es, nach spätestens drei Tropfen auf dem Visier, an einer sicheren Stelle den Anker werfen und der "Lederfraktion" die Gelegenheit geben, sich vor der durchdringenden Nässe zu schützen.
Moderne Textilbekleidung kann bei einer Tagestour ja einiges an Regen abweisen - leider habe ich aber eine Lederkombi auf dem Weg nach Dinant "übersehen" - Sorry dafür :(

"Es wird schon nicht so schlimm werden" - ist keine wirklich gute Lösung.
Beim ersten "Wischer" über's Visier hält man besser, zeitnah, an einer sicheren Stelle an. Dort kann jeder selbst entscheiden, ob die  Regenbekleidung nötig ist oder nicht.
Eine "sichere Stelle" ist dabei niemals ein Tunnel oder der Seitenstreifen einer Autobahn. Auch wenn es noch so verlockend scheint sich dort - im Schutz einer Brücke - umzuziehen. Die Gefahr, von einem anderen Fahrzeug erfasst zu werden, ist viel zu groß. Dies hat im vergangenen Jahr der tragische "Unfall mit 4 toten Bikern" erschreckend gezeigt.

Ein leichter Landregen begleitet uns eine knappe Stunde, bis wir Dinant erreichen. Da die Rue Grande wegen Bauarbeiten gesperrt ist, geht es über die Hintergassen in Richtung Zitadelle und Stiftskirche.

Hinterhof Dinant

Zitadelle


Rue Grande

Notre-Dame de Dinant

Dort angekommen nehmen wir im Kreisverkehr die dritte Ausfahrt und "flanieren" nun, über die Avenue Winston Churchill, am Fluss "La Meuse" entlang. Die bemerkenswerte Uferpromenade ist vor einigen Jahren eindrucksvoll erneuert worden. Erfreulicherweise hat man dabei auch an einige Motorrad-Parkplätze gedacht.
Wir parken direkt am Ufer der Maas und sind sofort wieder gefangen vom Anblick dieser beeindruckenden Stadt "Dinant".

MoPa am Le Wiertz
Der Blick folgt der Maas entlang und trifft auf die Brücke über den Fluss. Dort sind einige übergroße Saxophone angebracht. Sie erinnern an Adolphe Sax, Dinants berühmten Sohn der Stadt, der das Saxophon erfunden hat.
Weiter schweift der Blick zur Stiftskirche Notre-Dame de Dinant, die mit ihrer außergewöhnlichen Turmspitze ein echter Hingucker ist.
Und über allem schwebt, hochoben auf dem Felsen, die mächtige Zitadelle von Dinant.

Blick entlang der Maas zur Brücke, Stiftskirche und Felsen mit Zitadelle
Jetzt geht's erst einmal ins Trockene. Da im Boulanger-Patissier-Chocolatier-Glacier - wohl wegen des Nieselregen - auch der letzte Platz besetzt ist, geht's ins "Le Wiertz". Das typisch belgische Restaurant Café ist eine gute Gelegenheit für eine schöne Pause mit Blick auf die Maas.

Gefährten im Le Wiertz

Gefährtin und Gefährten im Le Wiertz

Ob die auch bis zu uns, nach Roermond oder Venlo, fahren könnten?

Nach einer guten Stunde sind wir wieder im Sattel. Am monolithischen Bayardfelsen vorbei reiten wir durch die tropfnassen Wälder der Ardennen.
Kurz darauf liegt, etwas überraschend, Schloss Vêves im Dunst über uns - eine eindrucksvolle Begegnung mit einem der bedeutendsten architektonischen Erbe der Maasregion.

Bayardfelsen

N97 über der Maas

Regen

RegenWald

Es folgten Gendron, der Bayard-Pass der Col du Rideux, Col de Malboutée und der Col de la Chapelle Ste Barbe. Mittlerweile hat sich das Wetter wieder zum Guten gewendet und es macht wieder richtig Spaß, hier unterwegs zu sein.

Gefährten am Pass bei Gendron

NC und Passknacker-Poster 2019 am Pass bei Gendron

Pas Bayard

Sonnenschein am Col du Rideux

Gefährten am Col du Rideux

Passknacker am Col du Rideux

Col de Malboutée

Col de la Chapelle Ste Barbe


 
379M

Das rote Teufelchen, mit der Pommes-Frittes-Tüte im Arm, ist mir schon öfter aufgefallen, wenn ich aus den Ardennen zurück komme und hinter Grand-Trixhe die E25 - Lüttich-Bastogne - überquere.
Heute kommt die "Friterie Lucifer" gerade richtig für einen Kaffee und eine Portion belgischer Fritten mit Mayo.

Friterie Luciver

Teuflich gut

Belgische Fritten mit neusten Nachrichten

Essen - Trinken = Zufrieden

Ardenner Rotwild

Zur Côte de Werbomont hätte ich meine NC jetzt auch schieben können - sie liegt nur wenige Meter entfernt vom Lucifer. Mit einer Höhe von 450m sind wir am höchsten Punkt unserer heutigen Reise angelangt. Hier hat es, bei  der zweiten Etappe der Tour de France 2010, sogar eine Bergwertung gegeben.
Die Gedenkstätte an dieser Stelle dankt den amerikanischen Soldaten der 82. Luftlandedivision für ihren Einsatz zur Befreiung während der Ardennenoffensive.

NC am Kontrollpunkt

HS am Kontrollpunkt

Ardenner Weitblick

Jetzt geht es zum letzten PK-Punkt des Tages, den Col de Stoqueu. Hier hat mich ThomasK, bei einer früheren Passknacker-Tour, sozusagen mit einem Fußtritt angeschoben. Aus Unachtsamkeit hatte ich dort die Batterie meiner NC entleert.

Bikerin / Biker

Ardennen Landschaft

Ginster fern


Ginster nah

NC am Col de Stoque

Mission erfüllt

Gefährten am Col de Stoque

Ein Tankstopp in Remouchamps / Aywaille und noch einmal geht es durch Theux, das am späten Nachmittag genauso interessant und lebendig wirkt wie am Vormittag.

Die Drei an der Tankstelle

Theux von oben

Theux Rue de la Chaussee

Theux Place du Perron

Wieder fahren wir über die Autobahn an Verviers und Aachen vorbei und sind schon bald wieder in heimischen Gefilden.

Tschüss Heike

Tschüss Günter

Und Tschüss
Nach zwischenzeitlichem Regen war es wieder eine schöne Tour in die Ardennen.
Ich bedanke mich bei meinen Gefährten für die fröhliche Begleitung und freue mich schon auf unsere nächsten Abenteuer!
Und Birgit - deine Bilder sind wieder toll!!!


Tourlänge: 400 km
Autobahn: 120 km
On Tour: 10 h
In Bewegung: 05:26 h
Temperatur: 19°C
Stopps: 12





Heute erhöhen noch einmal 9 Passknacker-Orte die bisherigen 13 auf 22 Punkte. Vier weitere Touren werden, bis zum Saison-Ende, die Länderwertung für Belgien auf 75 Punkte komplettieren.


Viel Spaß & tolle Touren
wünscht HerBert



2 Kommentare:

  1. Pässe knacken in Belgien hört sich an wie Muscheln sammeln in der Schweiz ;-) Trotz Regen scheint es ja ein gelungener Ausflug geworden zu sein. LG und eine gute Mopped-Saison 2020.

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    1. Das trifft es genau Sonja :-) Aber, wer die Alpen nicht gerade vor der Haustüre hat, der ist auch schon über "Pässe" in den Ardennen ganz froh :-/ Danke und dir auch eine schöne Saison 2020.

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