Sonntag, 22. Juli 2018

Route des Grandes Alpes & mehr - Tag 2/I

Juni 2018 - Acht Tage in den französischen Alpen - Tag 2 - Allez La Bonette - Teil I



Das kennen wir ja schon von unseren Motorradreisen - 700 aufstehen, 800 frühstücken und um 900 starten wir unsere Tagestour. Nur ... der Chef des La Lauzetane bietet uns - auf Birgits Nachfrage - auch schon 730 für unser Frühstück an. Das heißt zwar - noch eine halbe Stunde früher aufstehen - wir sind dann aber auch - nicht schlecht - die Ersten und erst einmal auch die Einzigen an den beiden Kaffeeautomaten. Und das ist ein bedeutender Vorteil bei ca. 50 italienischen, französischen, schweizer und deutschen Bikerinnen und Bikern, die so nach und nach zum Frühstück erscheinen.


Blick vom Balkon

Beim ersten Frühstück sucht man ja noch nach seinen lieblings- Backwaren, Aufstrichen und Getränken - in den nächsten Tagen navigiert man dann auf seiner Buffet-Route schon professioneller und effektiver.
Das Angebot ist wirklich etwas für Feinschmecker - alles ist da, was das Herz begehrt. All die leckeren Dinge - die man sich Zuhause - wegen der enormen Kalorien - lieber nicht genehmigt - landet hier auf dem Teller und werden mit großem Appetit in  lautstarker und fröhlicher Runde verspeist. Der Tourtag ist lang und bis zum Abendessen gibt's ja nur die Kleinigkeiten, die das Topcase so hergibt.


Seesicht

Eigentlich eine Schande - mitten im schönsten Frühstück einfach aufzuhören - aber die Arbeit ruft. Wir sind ja den weiten Weg hierher nicht zum Schlemmen gekommen - sondern wegen der tollen Pässe und Touren die ab heute auf uns warten.
Ein bisschen nervös ist wohl jeder von uns - nach unserer tollen Schottland-Tour im vergangenen Jahr geht es nun an die höchsten Pässe der französischen Alpen.

"Großes Kino auf dem Col de la Bonette"
Unsere erste Tour führt uns gleich zu einem Höhepunkt der französischen Alpen – zum „Col de la Bonette“


La Lauzetane

Die Passstraße ist die höchstbefahrbare Transitstrecke der Alpen, die normalerweise von Juli bis No­vem­ber geöffnet ist. Zum Glück für uns wurde sie, durch die gün­stigen Wetterverhältnisse in diesem Jahr, schon kurz vor unserer Anreise freigegeben.


Ein bisschen nervös


Am Ufer der wild schäumenden Ubaye entlang geht es, an Barcelonette vorbei, auf der Route des Grandes Alpes in Richtung Jausiers.





Die Ubaye

Im kleinen Ort Jausiers angekommen versucht nun auch TomTom mich mit einem gemeinen kleinen Trick reinzulegen. Einmal rechts abbiegen, über ein paar Hinterhöfe und eine kleine Brücke - und schon sind wir auf der feinsten Schotterstrecke. Jetzt nur nicht noch einmal "Augen zu und durch" und "Es wird schon gutgehen". Meine rechte Hand mit ausgestrecktem Zeigefinger geht kreisend hoch über den Helm - wir wenden. Schnell sind wir wieder auf dem richtigen Weg - und TomTom tut so, als wenn nichts gewesen wäre.






Wende-Assistent

Wir beginnen die anspruchsvolle Auffahrt hinter Jausiers und befinden uns nach einer begeisternden Auffahrt in den Resten ehemaliger Militäranlagen und Kasernen am „Col de Restefond“ 2678m, 14% / **** / SG2-3.











Platz 2 in der Top 10 der französischen Alpenpässe - Der Col de la Bonette - Der höchste Alpenpass überhaupt
Es wäre einfacher und flacher gegangen, aber um sich den Titel „höchste Alpenstraße“ zu sichern, ließ die französische Regierung die Verbindung des Ubaye-Tals mit dem Tal der Tinée statt über den Col de la Moutière über den höheren Bonette bauen. Die Straße ist breit, in gutem Zustand und in der hochalpinen, offenen Landschaft meist gut einsehbar.
Der Bonette bietet auf 49 Kilometern jede Art von Kurven – und das äußerst abwechslungsreich. Hat man den Col de Restefond (2676 Meter) passiert, kommt man kurz darauf zur Passhöhe. Dort bietet sich ein grandioses Panorama mit 270 Grad Blickwinkel. Von hier aus lassen sich an klaren Tagen die gesamten Bergmassive der Südalpen bewundern.
Den vollen Rundumblick bietet der 60 Meter hohe Aufstieg auf den Cime de la Bonette. Quelle







Nachdem wir den Scheitelpunkt des Restefond in 2678m erreicht haben, geht es auch schon gleich in Richtung „Col de la Bonette“ 2715m, 14% / **** / SG3
Die Rauchsignale, die am Col de Restefond und am Col de la Bonette gezündet werden und durch deren roten Rauch wir den Gipfel erreichen, gelten leider nicht uns, sondern den Radrennfahrern eines belgischen Teams, die mit uns den Gipfel bezwungen haben. Alle Achtung vor dieser Leistung - die sind aber auch ganz schön k.o., als sie oben ankommen.



Rauchsignale am Col de Restefond

Verlassene Militäranlagen am Col de Restefond





Den Col de la Bonette erreichen wir auf 2715m Höhe. Am Wegweiser zum Aussichtspunkt "Cime de la Bonette" geht es eigentlich noch weiter zum Rundkurs um den Gipfel, bis zum höchsten asphaltierten Punkt der Alpen mit 2802m. Aber die Strecke ist leider gesperrt - die Räumfahrzeuge sind noch unermüdlich damit beschäftigt, den Schnee von der Piste zu räumen.

Angekommen - Col de la Bonette


Die "X" auf dem höchsten Pass der Alpen

Sim de la Bonette ...
... leider noch nicht freigegeben

Blick in Richtung Montblanc

Wie ich später erfahre ist die Durchfahrt dann erst am Sonntag frei - da sind wir dann leider schon wieder auf dem Weg nach Hause.
Sollte ich also noch einmal hierhergekommen, dann geht es noch einmal höher hinauf – ein 15-minütiger Fußmarsch führt auf den Gipfel mit 2862m – Höhenrekord! Dort wird man dann mit einem endlosen Rundumblick über die französischen Alpen belohnt.




Drei Tage später geht's hier in Richtung Nizza




Einen tollen Ausblick haben wir auf dem Col de la Bonette natürlich auch. Das Panorama über die grandiose Bergwelt ist wunderschön und ergreifend. Als wir wieder aufsitzen trennen wir uns nur schwer von diesem besonderen Ort.



Col de la Bonette


Eines beunruhigt mich jetzt doch etwas - ThomasK hat sein Portemonnaie im Hotel vergessen - und ich dummerweise auch. Die Papiere und das Geld schwirren mir jetzt natürlich für den Rest der Tour im Kopf herum.
Aber jetzt stehen wir erst einmal hier oben auf dem Bonette und genießen diesen tollen Moment.




Die Südseite des Col de la Bonette führt uns durch ein verfallenes Militärlager Napoleons nach St. Etienne de Tinee.








Während wir unsere 200-250 Kilogramm schweren Bikes in eher touristischem Tempo den Berg hinunter durch die Kurven bewegen - werden wir - todesmutig oder im Rausch - von den Bikern OHNE Schutzkleidung - die oben noch nach Luft schnappten - in rasender Geschwindigkeit überholt. 80 km/h wie nichts. Ist wohl der Lohn für die Quälerei bei der Auffahrt.


80 km/h -

- mindestens











Immer entlang des rauschenden Flusses Tinée passieren wir - ebenfalls in rauschender Abfahrt - Isola und Saint-Sauveur-sur Tinée.












"Der einsame Weg über Pierlas"
Kurz vor La Bollinette überqueren wir auf einer abenteuerlichen Brücke die tief unter uns fließende Tinée und klettern nun wieder über kurvige und kleinste Wege hinauf zum "Col de la Sinne". 1438m, / **** / SG3






Blick auf Ilonse
Col de la Sinne



Eine kurze Pause am Col la Sinne - dann geht's weiter


Route / Grafik erstellt mit Tyre, Routeconverter und Google Maps


Viel Spaß & tolle Touren


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