Montag, 11. Juni 2018

Pässefeeling in den Lütticher Ardennen

WilderWestenWallonie
Wenn man die Alpen nicht gerade vor der Haustüre hat, kann man auch in den Ardennen eine spannende Motorradtour erleben. Mit Kurven, sogar Haarnadelkurven, Talfahrten und Steigungen und von Gipfel zu Gipfel.
"Col" liest man hier - im französischsprachigen Teil Belgiens - auf den Passschildern. Keine schroffen Felsen wie in den Alpen, eher grüne Hügel mit Ausblicken auf die liebliche Landschaft eines Mittelgebirges. Und es geht auch nicht so hoch hinauf - dabei können sich die Steigungen aber durchaus sehen lassen.

Es ist Wochenanfang - und zusammen mit ThomasK - möchte ich mir noch ein paar Punkte aus der "Passknacker"- Liste holen. Ich freue mich, dass ThomasK  heute dabei ist, denn zusätzlich zur netten Begleitung kann es ja immer einmal vorkommen, dass man in Situationen gerät, in denen man auf Hilfe angewiesen ist - wie es dann später auch noch passieren wird.
Zum Glück wurde seit diesem Jahr Belgien, und somit auch mein bevorzugtes Tourgebiet - die Lütticher Ardennen - in die Pässe-Karte aufgenommen. Im vorigen Jahr war es für mich schon schwierig, innerhalb einer Tagestour auf eine einigermaßen ordentliche Punktzahl zu kommen.
Für die zwölf Pässe, die ich für heute ausgesucht habe, werden rund 300 km zusammenkommen. Also geht es von Hückelhoven erst einmal nach Aldenhoven zur A44, die wir dann, eine halbe Stunde später, bei Eupen wieder verlassen.
Durch die "Hauptstadt" des deutschsprachigen Ostbelgien hindurch steigen wir, in weiten Schwüngen, zum Hohen Venn hinauf. Es geht an der bei Venn-Wanderern beliebten Restauration "Baraque Michel" vorbei und kurz darauf sind auch schon am ersten unserer heutigen Ziele angekommen.

"Le Mont Rigi" liegt auf dem Pass von Eupen nach Malmedy und ist mit 675 Metern auch gleich die höchste Stelle der Tour. So wirklich merkt man die Höhe ja nicht, da sich das Hochmoor rundum bis zum Horizont erstreckt - nur hier und da von kargem Baumwuchs unterbrochen.


Sagte ich eben noch zu ThomasK, dass wir heute fast nur bekannte Strecken fahren werden, so merke ich bald, dass das so nicht stimmt. Zu den bekannten Strecken kommen heute noch viele neue, schöne und kleine Wege und Weiler hinzu. Das Fahren von Col zu Col ist ein ganz anderes Reisen, als ich es bisher angewendet habe. Im Vordergrund steht nicht der nächsten Ort oder der Flusslauf durchs nächste Tal, sondern der kleine enge Weg bis hinauf zur nächsten Spitze. Das ist anders - einfach toll!
An der Strecke hinunter nach Malmedy weist ein Achtungschild auf vier Kilometer kurvige Strecke hin - ein Versprechen, über das man sich als Motorradfahrer doch sehr freut.
Nach Malmedy fahren wir durch Bellevaux - mit grandiosen Ausblicken in das schöne Tal.
Ab hier sind es wieder andere, kleine Wege, die uns zum immer sehenswerten Stavelot bringen. Die Restaurierung der alten Steinbrücke über die Ambleve ist seit unserem letzten Besuch im vergangenen Jahr leider noch nicht abgeschlossen. Einen kurzen Moment fühle ich mich versucht an der Sperrung vorbeizufahren - entschließe mich dann aber doch, den kleinen Umweg über die Eisenbrücke zu nehmen. Gut so - auf der anderen Seite der Steinbrücke legen die Pflasterer noch die Steine ins Sandbett - das wäre was geworden.
An der fotogenen dunkelroten Abtei vorbei verlassen wir Stavelot in nördlicher Richtung und haben bald unseren zweiten Stopp erreicht. Der Col de la Haute Levée ist der Pass von Stavelot nach Neuville. Auf 508m steht dort ein großes Gehöft, das uns als Foto-Hintergrund dient. Von der anderen Seite her schallt das Dröhnen der Ps- starken Motoren, die ihre Runden auf der Rennstrecke "Circuit de Spa- Francorchamps" drehen.


Bevor wir Spa erreichen biegen wir links ab und bei Riu scharf rechts. Wir haben gerade die Spitzkehre gut geschafft, da steht ein tolles rotes Fort-Mustang- Cabrio mitten in der Steigung. Mit Gesten fordert uns ein junger Mann zur Vorsicht auf, während zwei andere eine große Drohne starten. Wir fühlen uns wie in einem Film!
Gleich darauf sind wir an der Côte du Rosier - dem Pass von Spa nach La Gleize - auf 566m. Beim Foto kommt es, wie es ja mal kommen muss - ich vergesse das Poster wieder vom Nummernschild abzunehmen und einzupacken. Beim nächsten Stopp ist es dann natürlich weg. Macht aber nichts - ich habe ja noch mehrere dabei. Ist irgendwie ein Verschleißartikel.


Also nehme ich am Col du Maquisard ein neues Poster und klemme es jetzt auch wieder fest. Bleibt aber trotzdem die Frage, ob sich nicht ein besserer Befestigungspunkt finden lässt. Die Höhe beträgt hier am Pass von Spa nach Remouchamps nur noch 367m. Auf der rechten Seite liegt ein schöner Park mit Bänken - toll für eine Pause.


An der Côte de la Vecquée, am Pass von Spa nach Targnon, sind wir nochmals auf einer luftigen Höhe von 525m. Dann geht es hinunter nach Strumont.
Hinter Targnon biegen wir stark links ab und überqueren gleich darauf die Ambleve. Auf der Brücke über den bei Kanufahrern sehr beliebten Ardennenfluss kommt uns ein Konvoi von vier Motorradpolizisten entgegen. Ein toller Anblick, wie sie da auf ihren weißen schweren BMW's an uns vorbeifahren und uns freundlich grüßen - Belgien erscheint mir immer besonders motorradfreundlich zu sein.


Kurz hinter dem Ort Xhierfomont liegt der gleichnamige Pass von Targnon nach Moulin de Rahier. 358m Höhe und am Nachweispunkt, am Doppel-Strommast auf der Kuppe, sitzen vier Wanderinnen und Wanderer auf der Rastbank.
Auf französisch, deutsch und englisch entwickelt sich ein fröhliches und beiderseits informatives Gespräch über das woher und wohin und vor allem, weshalb wir von Hückelhoven - zwischen Alemannia-Aachen und Borussia-Mönchengladbach - hierhergekommen sind.
Ich hoffe, dass das einigermaßen gut rübergekommen ist. Auf jeden Fall lässt es sich der "Chef" der Gruppe nicht nehmen, das Nachweisfoto für mich zu machen und alle rufen uns noch ein fröhliches "bon voyage" hinterher. Schön wars an der Côte de Xhierfomont.


Wir fahren das Stück bis zur Brücke wieder zurück und folgen dem eiligen Lauf der Ambleve bis zum Abzweig nach Lorce. Durch schöne Waldpassagen geht es bis zur E25, auf der sich der Autoverkehr von Lüttich nach Süden - und umgekehrt - bewegt. An und über dieser Autobahn befindet sich, etwas unromantisch gelegen, unser nächster Pass - der Col de Stoque - auf 347m.


Als wir wieder losfahren wollen - so 20 Minuten werden wohl vergangenen sein - macht die "X" beim Starten des Anlassers jenes unschöne Geräusch - krrrrr. Blöde Angewohnheit von mir, den Motor mit dem Ausschwenken des Seitenständers abzuschalten. Regelmäßig vergesse ich danach, mit dem Schlüssel die Zündung auszuschalten. Licht und Navi holen sich dann was sie so brauchen und zum Starten ist dann nicht mehr genügend Energie vorhanden.
Na super, ein Powerpack als Starterbatterie hat es bei mir gerade mal bis auf die Wunschliste geschafft und die Strecke vor mir geht natürlich nicht abwärts, sondern leicht aufwärts. Aber in gut 200m Entfernung ist der Horizont hinter der Kuppe zu sehen. Also wird die "X" den Hügel hinaufgeschoben und siehe da, hinter der Kuppe geht es wie erwartet, zwar nur leicht, aber immerhin - es geht hinunter.
Um den Motor anzuschmeißen wird das leider nicht reichen - aber ThomasK hat da einen zirkusreifen Plan. Er stellt seinen rechten Fuß auf die linke Soziusraste der "X" und mit der Kraft seiner Scrambler schiebt er mein Bike und mich solange den Hügel hinunter, bis wir Speed genug für einen erfolgreichen Startversuch haben. Yeah!

ThomasK und die Triumph Scrambler - meine Helden des Tages
Durch die künstlerische Einlage sind wir zwar leicht von der Route angekommen, aber TomTom gleicht das wie immer geschickt und klaglos aus. Über Harze und Aiwan führt er uns zur Côte de Chambralles hinauf. Der Pass von Martinrive nach Aywaille liegt zwar nur auf 267m, hat aber eine schöne Auf- und Abfahrt.


Hohe Steinmauern, eiserne Tore - ich habe mir schon immer gedacht, dass die Belgier einen gewaltigen Respekt vor ihren Toten haben müssen.

In Fraiture ist das Ortsschild der Nachweis für den Pass von Pont der Scay nach Martinrive, 259m.


Wenig später ist dann das Drehfunkfeuer auf 285m in Lincé das Kennzeichen für den Pass von Souverain-Pré nach Sprimont.


Für den Weg zum vorletzten Pass hat sich TomTom nun etwas ganz besonderes ausgedacht. Da ich diese, wie fast alle Touren im "Öko-Modus" fahre, geht es jetzt aber voll ab ins Grüne. Die Rue Hazaie in Lincé verengt sich zum kleinen Weg, hinunter in den Wald. Er wird immer schmäler und der Asphalt immer brüchiger, bis nur noch eine ausgewaschene Spur aus dem losen Geröll des Unterbaus vorhanden ist. Ich denke noch, ehe wir hier ein Wendemanöver hinbekommen fahren wir gleich besser bis ganz hinunter. Dann verschwindet auch der Rest des Weges im Wasser.  Wir stehen vor einer Furth.


"C" meinte später, das wäre ja wohl eher eine bessere Pfütze gewesen. Auf Bildern sieht das ja immer ganz einfach aus, ich hatte jedenfalls noch nie so viel Wasser unter den Rädern meines Bikes.


Den weiteren Weg hinauf sehe ich mir lieber erst mal zu Fuß an - kicke die "größten Brocken" zur Seite - dann geht es ein wenig atemlos, aber zufrieden mit den Bikes hinauf.


Der Col de la Haie des Pauvres liegt unspektakulär auf 237m und ist der Pass von Esneux nach Méry.


Unsere Pässetour durch die Lütticher Ardennen neigt sich dem Ende zu. Am Col de Béole sind wir zwar nur noch auf 220m Höhe, aber dafür sieht es hier im Wohngebiet ganz nett aus.


Auf der Rückfahrt bleiben wir der Autobahn fern - da gibt's rechts und links des Weges schönes zu sehen. Und selbst durch's altehrwürdige Aachen trägt uns der Feierabendverkehr freundlich und ungehindert  hindurch.


Passknacker-Rangliste: Von Platz 177 auf 167 von 200 

Lütticher-Ardennen: Erstellt mit Tyre, Google Maps und RouteConverter
Die Tour zum "Download" auf der BikerSzene

Viel Spaß & tolle Touren
wünscht HerBert

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