Sonntag, 23. September 2018

Route des Grandes Alpes & mehr - Tag 5/II

Juni 2018 - Acht Tage in den französischen Alpen - Tag 5 - Voir la mehr une vois - Bis ans Mittelmeer - Teil II




Menton ist weitläufig, laut und ziemlich voll. Einen Platz für unsere Bikes zu bekommen ist gar nicht so leicht.






Nach einer Ehrenrunde über den Strandboulevard ergattern wir dann doch noch genau sieben Plätze für unsere Bikes vor einer Bar. Dazu gehören dann auch noch Sitzplätze an der Promenade mit Blick aufs- und Zugang zum Meer.







Eine Stunde genießen wir die tolle, mediterrane Atmosphäre, die Promenade, den Strand und den Blick aufs Mittelmeer. Dann satteln wir wieder auf, wenden unsere Bikes nach Norden und starten unsere Rückreise.











Für unsere Rückreise gibt es im Grunde drei Varianten.
Varianten I - wir fahren die gleiche Strecke wieder zurück - und kommen dann insgesamt auf gut 400 Kilometer und 9 Stunden reine Fahrzeit.
Variante II - die Fahrt durch Monte Carlo. Natürlich wäre es jetzt cool, auf der Formel Eins Strecke, so wie wir sie aus dem Fernsehen kennen, durch Monte Carlo zu curisen. Die knapp bemessene Zeit und und die als ziemlich chaotisch beschrieben Verkehrsverhältnisse in Monaco schließlich diese Variante aber schon von selbst aus.







Wir entscheiden uns für die mautpflichtige Stadtautobahn an Monte Carlo und Nizza vorbei, um dann nordwärts wieder auf die RdGA zu stoßen - eine Stunde Fahrzeit sollten wir auf dieser Strecke einsparen.


ThomasK hat auf seinem TomTom schon die nächste Tankstelle geortet - sicher führt er uns auf seiner KTM durch das quirlige Menton dorthin. Auch mal schön für mich, einem Frontmann zu folgen.





Von der Tankstelle aus geht es steil hinauf auf die Autobahn. Der Verkehr ist ziemlich dicht, fließt aber mit 100km/h gut dahin. Es geht durch einige Tunnel, links sehen wir immer wieder das Meer und rechts ist die Landschaft mit jeder Menge Hochhäusern zugebaut. Nach einiger Zeit liegt die erste Mautstation vor uns, an der ein geringer Betrag fällig wird. Die richtige Spur auswählen, anhalten, Handschuhe aus Kleingeld rauskramen und in den Automaten stopfen bis die Schranke sich öffnet. Auf der Maschine sitzend ist das für mich schon ein ungewohntes Kunststück. Während ich die Handschuhe wieder schnellstmöglich anziehe - hinter mir wird man sicherlich schon ungeduldig - schaut mir die ganze Zeit dieser, mit einer Maschinenpistole im Anschlag bewaffnete Gendarm zu. Mir fällt nichts besseres ein, als ihn freundlich zu Grüßen - und er lächelt doch auch tatsächlich freundlich zurück.




Den Gang einlegen und erstmal ca. 30m vorfahren - hier können wir uns gefahrlos sammeln, bevor es weitergeht. So nach und nach treffen die Gefährten ein - der Einzige der noch fehlt ist ThomasK. Nachdem ich ihn in der breiten Reihe der Kassendurchfahrten ausgemacht habe, sehe ich mit Verwunderung, wie er verwundert vor der wieder verschlossen Schranke steht. Da hilft nur - wieder die Handschuhe aus, nochmals den Automaten füttern und schnell mit dem Bike an der offenen Schranke vorbei - die Handschuhe kann er sich ja auch am Sammelplatz anziehen.
Was war da eigentlich passiert. Nachdem ThomasK seine erste Zahlung geleistet hatte, nutzte ein Taxifahrer die Gelegenheit an ihm vorbeizufahren und so schloss sich die Schranke wieder noch ehe ThomasK seine Handschuhe wieder an hatte. Wer den Schaden hat... :)


Bei Nice Saint Isidore verlassen wir die A8 und zahlen, mehr recht als schlecht unsere Restmaut - auch nur ein paar Euro. Leider fahre ich danach falsch in den Kreisverkehr hinein und fahren nun wieder, in der entgegengesetzten Richtung auf der A8. Bei der nächsten Gelegenheit überqueren wir die A8 und fahren nun wieder auf der Gegenseite, müssen nun aber bis Nice Saint Augustin durchfahren, dort über den großen Kreisverkehr wieder auf die andere Seite der A8 wechseln und können dann, nach einigen Kilometern endlich die Autobahn in Richtung Saint Martin sur Var verlassen.
Ich bin total erleichtert, diesem Hin und Her glücklich entronnen zu sein - nur  so langsam verebbt der Nachhall einiger kräftiger Ausdrücke aus meinem Helm.

Bei Rimplas treffen wir wieder auf die RdGA und wir haben wegen der recht zügig zu fahrenden Strecken eindeutig Zeit gut gemacht. In Saint-Sauveur-sur-Tinée halten wir auf dem Marktplatz für eine Pause - sogar eine Toilette steht hier den Reisenden zur Verfügung. Thomas kommt mit einem freundlichen Einwohner ins Gespräch, dem unsere deutschen Nummernschilder aufgefallen sind. Er hat als Ingenieur viele Jahre bei Daimler in Stuttgart gearbeitet. Er ist uns gegenüber sehr freundlich eingestellt und freut sich sichtlich, sich mit uns in deutsch zu unterhalten.

Einige Zeit später verliere ich meinen Flügelmann in einer Abzweigung der Schlucht der Tinée. Ein PKW hat sich zwischen uns gesetzt und ich sehe gerade noch Thomas an dem höhlenartigen Tunnel vorbeifahren, in den ich gerade eingebogen bin. Hier anhalten ist nicht so einfach, also ganz rechts an die feuchte Felswand gepresst und die Warnblinkanlage eingeschaltet. So nach und nach treffen die restlichen Gefährten an der Abzweigung ein, sehen das Blinklicht und reihen sich hinter mir ein. Und wie immer hat mein Wingman das richtige Gespür - einige Minuten später erscheinen er und Birgit von der anderen Seite im hellen Eingang zum Tunnel - der Plumps neben mir muss wohl der Felsbrocken gewesen sein, der mir hier, in diesem dunklen Tunnel, von den Schultern gefallen ist.

Wir sind wieder am Fuße des Bonette angekommen. Der Blick hinauf zur Spitze verheißt nichts gutes - sprich - die Spitze hängt in dunklen Wolken und ist nicht mehr zu sehen. Wir haben mittlerweile 18 Uhr und niemand außer uns ist mehr am Berg. Für uns gibt es keinen anderen Weg als den über den Col de la Bonette - also gehen wir es an.




Bis unterhalb der verlassen Militär- Ruinen geht es noch, aber ab dort fahren wir mehr und mehr durch dichte Wolken. Schließlich kann ich die Straße unter mir nicht mehr sehen - da hilft nur noch der Blick zwischen dem weißen Randstreifen und meinem TomTom. Im Grunde bin ich nun auf einem Simulations-Flug und die Zeit dehnt sich unendlich hin. Kaum zu glauben, wie lang solch ein Blindflug dauern kann. Endlich taucht im Display meines Navis der Scheitelpunkt des Bonette auf. Kurze Zeit später taucht dann auch der Durchbruch im Berg auf.
Und - es ist wie ein Wunder - von eben auf jetzt sind wir im gleißenden Sonnenschein und schauen weit hinüber bis zum Mont Blank - wir sind über den Berg.










Wir haben es geschafft - wir haben den Turini bezwungen und waren mit unseren Bikes am Mittelmeer.
400 Kilometer über die RdGA und um 19:30 sitzen wir schon wieder gut gelaunt beim Abendessen.

Geplant mit Tyre und GoogleMaps

Viele Spaß & tolle Touren
wünscht HerBert

Weiter geht's mit Tag 6


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