Juni
2016 – „Livigno – Zollfreie Zone, Foppa- Gavia- Stelvio- & Umbrailpass“
WOW – was für ein Ausblick am Livignopass
Schnell
noch das Staufach meiner "X" mit frischen Getränken aufgefüllt – da begrüßen mich
die Gefährten auch schon fröhlich vom Zugang des Frühstücksraum her. Jetzt aber
schnell – sonst bin ich noch der Letzte am Buffet :-)
Gute
Idee, schon um 7:30 mit dem Frühstück anzufangen – sonst wäre das ja alles kaum zu schaffen.
Brigitte
& SAM und ThomasB fahren heute ihre eigene Tour – Thomas hat noch eine
offene Rechnung mit dem Stilfser Joch :-) Bevor er die sehr anspruchsvolle
Nordrampe am Freitag mit uns gemeinsam bezwingt, fährt er erst einmal zum Umbrailpass. Von dort aus ist es bis zum Kamm des Stilfser Jochs nur
noch ein kleines Stück.
Heute
nehmen wir den zweiten von drei Wegen, die aus Nauders herausführen. Dabei geht
es über die „Norbertshöhe“ *** / SG2-3 nach Martina im Schweizer
Engadin.
Mit 11 tollen Kehren geht es die Westrampe hinunter und ruckzuck sind
wir, ohne jegliche Kontrolle, auch schon in der Schweiz.
Hier
treffen wir wieder auf den Inn mit seinem tollen Bergpanorama im Hintergrund.
Für etliche Kilometer werden wir heute seinem schnellen Lauf - mindestens genauso schnell - entgegenfahren ;-)
Während
wir auf der gut ausgebauten Straße entlanggleiten, gehe ich in Gedanken noch einmal
das tolle Pässeprogramm durch, das heute vor uns liegt.
Durch
den Munt la Schera fahren wir durch den Berg hindurch zur zollfreien Zone Livigno in Italien und anschließend
über den Livignopass in die Schweiz. Danach geht es weiter nach Süden bis Tirano. Dort steigen wir auf den Foppapass (Passo del Mortirolo) hinauf – immer noch ein
Geheimtipp für ambitionierte Biker. Und dann der Gaviapass – gerade erst aus
dem Winterschlaf erwacht – eine Herausforderung für jeden Alpentourer. Von
Bagni de Bormio geht's auf die Südwestrampe des Passo Stelvio, den Umbrailpass
hinunter und über den Reschenpass zurück nach Nauders. Nach dem „leichten
Einfahren von gestern“ ein anspruchsvolles Vorhaben.
Ups – jetzt hätte ich fast die Abbiegung verpasst. Das sind dann immer die Momente bei denen Thomas zu Birgit sagt „Jetzt hat er wieder geträumt“ ;-)
Leider
funktioniert es mit der Nebenstraße dann doch nicht, die Strecke über Sens
ist im Moment wegen Bauarbeiten gesperrt. Macht nichts, die 27 ist auch sehr schön zu fahren.
Dafür
klappt es dann bei Scuol. Auf der kleinen
Nebenstrecke werden wir mit schönen Panoramablicken und kleinen romantischen Dörfern belohnt.
Nachdem
wir rechts von uns die Auffahrt zum Flüelapass passiert haben ist es Zeit für
einen kleinen Zwischenstopp.
| Mein Schatz :-) |
Ein ruhiger Platz am Straßenrand mit einer kleinen
Quelle und ganz viel Natur ist eine schöne Gelegenheit uns zu erfrischen, etwas
zu essen und schon mal die Maut für die Tunnelpassage
einzusammeln.
Dann geht das an der Kasse wesentlich schneller als wenn jeder
selber absteigt, bezahlt und wieder aufsitzt.
Nach
gut einer Stunde Fahrzeit erreichen wir den „Munt La
Schera" im Kanton Graubünden.
Vor
der Zufahrt zum 3385m langen Tunnel, der zur Errichtung der Staumauer auf der
anderen Seite des Berges diente, haben sich schon einige Fahrzeuge eingefunden
und warten, dass die Ampel auf Grün schaltet.
Da der Tunnel nur einspurig
befahrbar ist müssen wir erst noch den Gegenverkehr abwarten was schon mal bis
zu 15 Minuten dauern kann. Bezahlt werden die 12 € Maut pro Bike nachdem wir
auf der anderen Seite die Staumauer „Punt dal Gall“ erreicht haben.
Hier befinden wir
uns dann auch schon gleich in Italien.
Immer
am westlichen Ufer des Stausees „Lago de Livigno“
entlang erreichen wir das in einem weiten Tal gelegene Livigno.
Giro de Italia
Schon
seit Napoleonischen Zeiten ist "Livigno" zollfreie Zone, was sich
natürlich nicht nur günstig auf die dortigen Spritpreise auswirkt.
Auch bei Latte & Cappu profitiert man bei 2,00€ pro Tasse eindeutig vom
Steuervorteil. Und der Blick über den schönen Lago di Livigno ist dann ja
auch noch völlig kostenlos :-)
Beim
niedrigtourigen Bummel durch das Zentrum von Livigno, mit seinen schönen alten
Holzhäusern, Geschäften und Gasthäusern, haben wir den Eindruck durch einen Wintersportort
im Sommerschlaf zu fahren.
Durch
das langgezogene, landschaftlich sehr schöne Tal, geht es ohne Schwierigkeiten hinauf
zum „Livignopass“
*** 2310m / 12%, SG 2.
Nicht
schwierig zu fahren und – WOW – was für ein Ausblick als wir um die Kurve
kommen!!! Für mich DER Überraschungsausblick unserer Alpentour.
Ganz
nebenbei sind wir auch schon wieder von Italien in die Schweiz
hinübergewechselt. Rechts ab geht’s zum Berninapass, wir nehmen aber die linke
Abzweigung, wir wollen ja noch um einiges weiter Richtung Süden.
In
Poschiavo staunen wir dann nicht schlecht.
Die Bahnschranke vor uns ist
geschlossen, eine gegenüberliegende Schranke ist nicht zu sehen. Nach einiger
Zeit kommt uns ein Zug der Rhätischen Bahn auf der Straße zwischen den Häusern entgegen.
An der Schranke biegt er dann ab und lässt uns ungläubig staunend zurück ;-)
Vorbei
am Lago di Poschiavo erleben wir bei Brusio eine weitere Überraschung, das „Brusio Viadukt“.
Hier dreht sich
die Bahn im wahrsten Sinne des Wortes „im Kreise“.
Was für ein toller
Moment, als sich vor unseren Augen ein Zug der Berninabahn in einem 70 Meter
Radius auf dem Kreisviadukt hinunterschraubt.
Eine Meisterleistung der
Ingenieurskunst und Teil des UNESKO Welterbes.
Wieder
überqueren wir unbeachtet die Schweiz - Italienische Grenze und kommen zu unserem weitest südlich
gelegenen Tourort, nach „Tirano“.
Das südliches Flair und die milde Luft lassen Erinnerungen an Meran
aufkommen – da kommen wir ja bald auch noch hin.
Einige
Kilometer hinter Tirano geht es auf die Auffahrt zum „Foppapass“ - Passo
del Mortorolo **** 1852m / 20% SG 2-3, den südlichsten Pass unserer Reise.
Hier sind wir auf einem der spektakulärsten einspurigen Alpensträßchen.
Einsam,
kurvig und sehr natürlich ist die anspruchsvolle Auffahrt von Piazzola aus - mit ausgefransten Wegrändern, aber doch in
gutem Allgemeinzustand. Und immer noch ein Geheimtipp - uns begegnete kein anderes Motorrad auf der gesamten Passstrecke.
Kurvig - mit 33 Kehren - geht es,
teilweise recht steil, mit atemberaubenden Blicken hinunter ins Addertal, bis
zum Scheitel hinauf
Nach
rechts fällt uns beim Blick ins Tal eine Berghütte mit einer ganz besonderen
Ausstrahlung auf.
Die Hütte, das Tal, die Berge rundum und das Läuten der Kuhglocken
auf der Alm – fast schon zu romantisch um wahr zu sein :-)
Hier oben haben drei
Generationen eine tolle Rifugio geschaffen.
Agriturismo Malga Mortirolo
Google Maps 46.24820, 10.307390
Agriturismo Malga Mortirolo
Google Maps 46.24820, 10.307390
Relaxen in freier Natur
Nach einer angenehmen Stunde mit einer
deftigen Brotzeit und einem unglücklich verlegten aber glücklich wiedergefundenen Zündschlüssel geht es an
die Abfahrt, die auf der anderen Seite um einiges einfacher verläuft.
Bis
zum Städtchen Monno. Hier führt mich TT im Öko-Modus eine Abkürzung in den
Ort hinunter, der mir nur noch Thomas & Birgit folgen möchte.
Einmal in das
enge, steil abfallende Gässchen Via Mortirolo eingetaucht, bleibt uns keine andere
Wahl als ihm bis zu seinem Ende zu folgen.
Eine atenteuerliche Abfahrt – an
deren glücklichem Ende wir noch etwas Zeit haben um auf die Gefährten zu
warten.
Die haben zum Glück die Hauptstraße durch den Ort gewählt - Alles gut :-)
Eigentlich
haben wir für einen Tourtag schon genügend abenteuerliches erlebt – wäre da
nicht noch der Gaviapass, der sich nun mächtig vor uns aufbaut.
Nicht nur, dass
er als besonders anspruchsvoll gilt, ist er auch erst vor ein paar Tagen aus
dem Winterschlaf erwacht und demzufolge bestimmt noch etwas mürrisch.
Am "Gaviapass" **** 2618m / 16%,
SG3 – wird’s dann noch einmal richtig anspruchsvoll. Gut, dass wir schon etwas
geübt haben ;-)
Hier erwartet uns eine landschaftlich sehr schöne und
abwechslungsreiche Strecke.
Die Südrampe ist auf weiten Bereichen so schmal,
dass selbst zwei Motorräder nur vorsichtig aneinander vorbei kommen.
Mehrmals geht es durch stockdunkle Tunnel, an deren Wänden das Schmelzwasser in
Bächen herunterläuft und das Licht meiner „X“ einfach mit sich fortspült. In
einer dieser finsteren Höhlen kommt mir in einer Rechtskurve ein Cabrio ambitioniert
entgegen – wenn es nicht so bitterkalt wäre, ich wäre glatt ins Schwitzen
gekommen.
Für uns aber alles kein Problem - auf der Passhöhe wird schon wieder gelacht, gescherzt,
sich im Schnee gewälzt - oder mit ihm beworfen – es ist ja genügend da :-)
Ich war da ;-)
Passo Gavia an der „Rifugio Bonetta“
Bei
der Abfahrt über die „nur“ mittelschwere Nordrampe fahren wir in eine schwarze
Wolkenwand hinein, Regen setzt ein und Bäche, die unsere Fahrbahn queren,
fließen mit uns zu Tal. Aufnahmen gibt es von dieser Passage keine, wir hatten
einfach mehr damit zu tun, heil wieder hinunter zu kommen.
Bei
Worms in Veltin scheint dann wieder die Sonne, dass es einem fast schon zu warm
wird :-) Tatsächlich fahren die Rollerfahrer hier mit T-Shirts und Flipflops durch
die Gegend.
Nachdem
wir bei Bagni de Bormio auf die Südwestrampe des Passo del Stelvio aufgestiegen
sind fängt es auch schon wieder leicht an zu regnen.
Das macht uns aber inzwischen
schon nichts mehr aus, zu atemberaubend sind die Landschaft, die kurvenreichen Strecken und die pure Lust am Fahren.
Den
Kamm des Stilvserjoch vor Augen zweigt nun der schöne "Umbrailpass", ****
mit 2501m und 12%, SG 2-3, nach Norden ab und wir sind wieder in der Schweiz.
Eine kurze Regenpause wird spontan für einen kleinen Zwischenstopp genutzt. Ein Betonmischer hält uns und eine andere Bikergruppe noch einige Zeit mit
seinen Betonarbeiten am Passende auf. Im Gespräch mit den Fahrern vor uns erfahren
wir, dass bei diesen Wetterverhältnissen ein Biker ihrer Gruppe gestürzt ist,
er aber ohne weitere Blessuren seine Fahrt fortsetzen kann.
Uns
bleibt noch, bei nächster Gelegenheit an ihnen vorbeizuziehen - Motorradwandern
ist nicht so unser Ding ;-)
Taufers
im Münstertal liegt dann wieder in Italien, den Kirchturm im Reschensee nehmen
wir noch schwach auf der linken Seite wahr, dann sind wir auch schon über den Reschenpass hinüber und wieder in Österreich – Nauders und ein tolles
Abendessen haben uns wieder ;-)
Brigitte hat uns noch ein schönes Bild von der erfolgreichen Umbrailpass-Stilfserjoch-Tour mitgebracht!
Und Gunter konnte uns noch so einiges zur Rhätischen Bahn und zum Brusio-Viadukt erzählen!
Gefahren: 300 km von 9:00 bis 18:30 Uhr
Fahrtrichtung der Tour: Die war perfekt und einfach nur grandios - wenn man starke Auffahrten mag :-)
Schwierigkeit: Anspruchsvoll - sein Motorrad muss man schon beherrschen
Wetter: Wechselhaft. Es ging so gerade ohne Regenkleidung, da wir uns immer wieder trocken fuhren.
Wetter: Wechselhaft. Es ging so gerade ohne Regenkleidung, da wir uns immer wieder trocken fuhren.
Zündschlüssel: Es macht sehr viel Unannehmlichkeiten, wenn einem während einer Urlaubsreise der Zündschlüssel verloren geht. Seit Jahren benutze ich deshalb ein Schlüssel-Halsband. Bei Pausen hake ich den Schlüssel meiner "X" mittlerweile schon vollautomatisch dort an.
Bei weiter gelegenen Touren habe ich den Reserveschlüssel immer in der Hosentasche - sicherer als in der Jackentasche.
Glossar
Spaßfaktor nach „Alpenrouten“
*Naja **Ganz nett
***Hinfahren lohnt sich ****Ein
Highlight *****Absolut grandios
Schwierigkeitsgrade nach „Denzel“
SG1
Strecke sehr leicht, SG2 Strecke ohne nennenswerte Anforderung SG3, Strecke
erfordert Erfahrung im Gebirge
Online-Tourenplaner, wie z.B. Google
Mapps, MotoPlaner, in den Wintermonaten
Bei
Verwendung von Online-Tourenplanern werden die Rundtouren bei gesperrten Pässen
und Strecken, wie z.B. in den Wintermonaten, nicht wie geplant dargestellt.
Navis im Offline-Modus stellen die geplante Route dagegen richtig dar.





















































