Donnerstag, 2. September 2021

TET-light Niederlande Süd - von Horst an der Maas nach Achel

Donnerstag 2. September 2021 - Eine Tour mit neuen Erkenntnissen

Auf dem TET-light (Foto GoogleStreetView)

TET - Der "Trans Euro Trail" ist eine ca. 51.000 km lange GPX-Offroad-Motorrad-Route durch Europa. Der Trail besteht aus vielen unbefestigten Wegen, die man – nach den jeweiligen Landesgesetzen und Vorschriften – offiziell befahren darf. (Wikipedia)

Die Strecke des TET in den Niederlanden besteht meist aus flachem, sandigem Gelände. Es gibt ziemlich viel Sand, durch den man fahren kann, was für Leute auf großen Motorrädern und / oder Fahrer mit weniger Erfahrung eine Herausforderung sein kann. Im Sand muss man furchtlos sein! Je nach Wetter und Jahreszeit können einige Flecken von festem- bis zu mäßigem Treibsand reichen. Steinharte, trockene Stellen sowie glitschiger Schlamm sind ebenfalls zu finden. Viele Wälder entlang der Strecke. (TET)

Über den TET habe ich in einigen Reiseberichten gelesen - ein großes Abenteuer für Bikerinnen und Biker auf geländegängigen Maschinen. Eine Eigenschaft, die meine "X" ja leider nicht hat. Noch nicht einmal mit Stollenreifen ist sie ausgerüstet.
Aber eigentlich geht es mir ja auch nur darum, einmal ein Stück des TET in dem Teil der Niederlande zu fahren, dass ich gut an einem Tag bewältigen kann.
Also kam mir die Idee, die Originaltour soweit abzuändern, bis sie für meine "X" (und mich) fahrbar ist. Sozusagen eine TET-light Tour.
Der Start liegt bei Horst an der Maas, das Ziel ist, nach gut 80 Kilometern, die Abtei Achelse Kluis an der niederländisch-belgischen Grenze. Dabei fallen unbefestigte Wege aus der Tour heraus, doch die Landschaftseindrücke bleiben weitestgehend erhalten.
Am Ende gab es eine zügige Anfahrt nach Horst aan de Maas, ein TET-light in typisch niederländischer Landschaft, eine beeindruckende Gedenkstätte in Ysselstein, eine grenzwertige Erfahrung von Straßenreifen auf Treibsand, das vorzeitige Ende der Tour weil es mir ausnahmsweise mal reichte und das Gefühl, dass es sich gelohnt hat diese Tour zu planen und zu fahren - aber lieber mit einer itn-, als mit einer gpx- Tourdatei.

Donnerstagmorgen - heute geht's los. Ich bin tatsächlich ein wenig gespannt, wie das heute so läuft, mit meiner TET-light Etappe in den Niederlanden.
Über die A46 und A61 fahre ich, an Mönchengladbach und Venlo vorbei, nach Horst aan de Maas. 45 Minuten war ich bis hierhin unterwegs. Jetzt ist Mittag und Zeit für einen Kaffee und Müsliriegel aus dem Staufach der "X".
Eigentlich dachte ich, dass ich schon einmal in Horst gewesen sein müsste, doch bekannt ist mir nichts. Aber mir gefällt's hier gut.

Horst aan de Maas

Zwischen Rollern und Fahrrädern

Fietsen überall

Cafés überall

Liesbeth's Grand Café

In Castenray, in Höhe der Sint-Matthiaskerk, biege ich links in den Lollebeekweg ein und befinde mich jetzt auf einem Teilstück des TET NL Süd.

Castenray

An der Kirche links

Es folgen schöne kleine Wege durch die kaum befahrene Landschaft. Hin und wieder ein kleines Dorf, ein einzelnes Haus oder "Agrarische Bedrijven". Die großen Felder sind mit Gemüse und Obstbäumen oder Sträuchern bepflanzt. Von und zu den Geflügel- und Schweinemastbetrieben sind Gülletransporter mit großen Tanks unterwegs. Ein Milchtransporter fährt eine "Melkveebedrijf" an und Pferde grasen auf einer großen Koppel. Alles sieht geordnet und gepflegt aus.

Kleine Wege

Einzelne Häuser

Landwirtschaftliche Betriebe

Intensiv genutzte Landwirtschaft

Vom Paardekopweg biege ich rechts auf den Timmermannseweg nach Ysselstein ab und gelange, knapp einen Kilometer weiter zu einem Parkplatz, der meine Aufmerksamkeit weckt.

Kriegsgräberstätte Ysselstein (Foto GoogleStreetView)

Auf der Informationstafel lese ich, in niederländischer, deutscher und englischer Sprache, dass es sich hier um die "Deutsche Kriegsgräberstätte Ysselstein" handelt.

Information

Ysselsteyn ist die einzige deutsche Kriegsgräberstätte in den Niederlanden. Sie wurde 1947 im Auftrag der niederländischen Regierung unweit der Stadt Venray in der Provinz Limburg angelegt und umfasst ein Areal von etwa 28 Hektar Land. 87 Kriegstote aus dem Ersten Weltkrieg und fast 32.000 Kriegstote des Zweiten Weltkriegs haben hier ihre letzte Ruhestätte gefunden.
Die große Mehrzahl der Kriegstoten sind deutsche Soldaten, die ihren Wehrdienst verrichtet haben. Aber auch SS-Angehörige und Kriegsverbrecher, niederländische Kollaborateure, Unterstützer der Wehrmacht aus anderen Nationen sowie einige Zivilisten, darunter auch Frauen und Kinder, wurden in Ysselsteyn bestattet. Die Kriegsgräberstätte kann jeden Tag besucht werden.
(Volksbund - Gemeinsam für den Frieden)


Ich stellte meine "X" ab und begebe mich auf einen bewegenden Rundgang über das sehr gepflegte Gelände.

Ich stellte meine "X" ab ...

... und begebe mich auf einen bewegenden Rundgang ...

... über das sehr gepflegte Gelände

Besucherzentrum und Restauration

Zu den Grabstätten

Die Geschichte von Ysselstein

"Gut oder böse, wir sind vor allem Menschen"




Ein Deutscher Soldat




Auf diesem Friedhof ruhen 31585 Deutsche Soldaten



Frieden

Ich sitze auf und starte den Motor. Dann schaue ich mich noch einmal um, bevor ich den Gang einlege und meine Tour fortsetze.
Zwischen Ysselstein und Deurne geht es von der Provinz Limburg nach Noord-Brabant. Deurne wird großzügig umfahren und auf dem Liesselseweeg nähere ich mich dem gleichnamigen Ort.

Kilometerlange Baumalleen

Auch auf dem TET unterwegs?

Meine Tour folgt, in etwa, dem originalen TET (Pink)

In Loon führt mich mein TomTom nach rechts in den Galgenbergseweg, dessen befestige Fahrbahn nach kurzer Zeit endet. Jetzt erst mal absteigen und schauen, was mich erwartet, wenn ich weiter auf dem Galgenbergseweg bleibe. Zwei flache Spuren mit feinem, losem Sand. In der Mitte, leicht erhöht, struppige Grasbüschel in etwas festerem Sand. Wenn ich in der Mitte bleiben kann, dann könnte das klappen! Und wenn nicht?
Mutig (?) aufgesessen und vorsichtig geht's in die Natur. Das klappt für 10-20 Meter, dann kann ich mich nicht mehr in der Mitte halten und gerate nach links in den losen "Treibsand". Jetzt mache ich aber einen Tanz mit! Vorder- und Hinterrad schlingern unkontrollierte hin und her und ich weiß nicht so recht, wie ich die Sache in den Griff bekommen soll. Mir bricht schlagartig der Schweiß aus.
Jetzt soll man ja mutig Gas geben um sein Bike zu stabilisieren. Das klappt nur mäßig. Irgendwie gelingt es mir aber doch noch, mich auf den Mittelstreifen zu retten, die Fahrt zu stabilisieren und auszurollen.
Einmal tief durchatmen. Weiterfahren schließe ich aus, da weiß ich nicht, was mich noch erwartet. Im Rückspiegel lockt der feste Straßenbelag. Aber da muss ich erstmal hinkommen. Mit etlichen Zügen schaffe ich die Wende im Sand unbeschadet und lande kurz darauf wieder auf festem Boden. Absitzen, Handschuhe, Helm und Jacke aus und runterkommen. Ich sah mich schon im Sand liegen und anschließend die 220 Kilogramm schwere "X" alleine wieder aufrichten. Sowas ist nichts mehr für mich!

Auf dem Galgenbergseweg (OpenStreetMap)

Hinter Liessel umfahre ich den Dennendeijkse Bossen, fahre an Heusden vorbei und sehe vor mir die Schleuse 13. Die Schleuse in der Zuid Willemsvaart besitzt eine Hubbrücke und liegt bei Someren-Eind.

Schleuse 13

Im Umfeld einer Schleuse sollte es wohl eine Bank geben - und gibt es auch.
Bis zum Tourende, an der Achelse Kluis, sind es jetzt noch gut dreißig Minuten, aber irgendwie ist bei mir die Luft raus. Die Schlingerpartie auf dem Sandweg bleibt nicht ohne Wirkung.
Der neue Zielpunkt heißt Zuhause, wo ich eine Stunde später eintreffe.
Fahrstrecke gesamt: 190 Kilometer
Reine Fahrzeit gesamt: 3,5 Stunden

Auf der Suche nach einer Bank

Eine Bank (GoogleStreetView)

Roermond

Horst-Achelse Kluis 1h45m 85km
Geplant mit MyRouteApp und Google Maps

Viel Spaß & tolle Touren
HerBert