Montag, 2. März 2020

Es hätte ja noch schlimmer kommen können 2 / 2

 "Was sonst so war" - Erlebnisse ohne Motorrad

Ende Februar, Anfang März 2020

20:00 Wieder einmal läuft eines der Kofferbänder an und man schaut, eher beiläufig, hinüber. Wer einen der wenigen Sitzplätze ergattert hat, möchte den ja nicht für einen fremden Koffer aufgeben. Als dann die ersten Reisenden unseres Fluges mit strahlenden Gesichtern ihre Koffer aus dem fließenden Band der Gepäckstücke herausfischen, stehen bald alle Kreuzfahrtpassagiere mit erwartungsvollen Blicken neben- und hintereinander am Band. Ein wenig erinnert mich die Situation an das "Entchen-Angeln" mit unseren Enkelkindern. Manche haben Glück und strahlen schon bald mit ihrem Gewinn in den Händen, andere schauen immer noch konzentriert auf die vorbeiziehenden Gegenstände und befürchten so langsam, dass ihr persönlicher Hauptgewinn wohlmöglich abhanden gekommen sein könnte.
Egal, sobald man seinen eigenen Koffer im Auge hat, ist alles rundherum vergessen und fast schon wieder gut.
Während der reichlich vergangenen Wartezeit hat man sich natürlich schon ein Bild darüber gemacht, was die anderen Mitreisenden so vorhaben. Eine Gruppe ist ganz entspannt, sie hat über ein Buchungsportal, wenn auch weiter entfernt, eine Unterkunft buchen können. Eine zweite Gruppe will den Flughafen verlassen und per Taxi eine Unterkunft suchen. Eine weitere Gruppe möchte im Flughafen bleiben und sich dort, bis zum Abflug um sieben Uhr am nächsten Morgen, irgendwie einrichten.
Hier kann jetzt ein wenig Mathematik nicht schaden. Wenn wir ein Taxi nehmen und ganz schnell ein Hotel finden sind wir vielleicht um 21 Uhr auf dem Zimmer. Gut wäre es, anschließend noch etwas zu essen. Wenn es gut läuft, liegen wir gegen 23:00 in den Betten.
Abflug am nächsten Morgen ist um 7:00, Boarding um 5:00, Fahrt zum Flughafen 4:00, Aufstehen 3:00.
Summa summarum bleiben vier Stunden Schlaf - wenn man dann auch schlafen kann.

21:00 Wir schließen uns der Gruppe an, die im Flughafen bleiben will und gehen erst einmal auf die Suche nach etwas Essbarem.
Das und einen Sitzplatz finden wir in der Carlsberg Sports Bar Aeroporto Faro. Ein Abendessen und etwas zu trinken - die Fluggesellschaft wird's ja wohl zahlen.
Die Unterhaltung dreht sich um die Erlebnisse des Tages, und wie es wohl weitergehen wird.


23:00 So nach und nach leert sich der Flughafenbereich und auch die Carlsberg Sports Bar schließt.
Aber, am Ende des Tages, kommt dann doch noch das Glück zu uns. Eine nette Dame des Service Personals wird auf uns aufmerksam und erklärt uns - in viel portugiesischer und wenig englischer Sprache - dass wohl, ganz am Ende der Halle, ein Feldbettlager aufgebaut wurde, das mit gestrandeten Fluggästen vom Vortag belegt sei.
Das hört sich, in unserer Lage, recht gut an - und ist es auch.
Da für uns Neuzugänge nicht genügend Feldbetten vorhanden sind, organisiert eine uniformierte Dame die fehlenden Betten und Decken, die von einem engagierten Mitarbeitertrupp aufgebaut werden. Schnell ist alles zu einer Wagenburg, rund um unsere Koffer, aufgebaut - da lässt es sich gleich beruhigter mal die Augen schließen.



23:30 Fehlt noch ein Erkundungsrundgang um unser Camp. An der einen Seite steht eine ganze Batterie von Kalt- und Heißgetränken - auch Snacks gibt es in vielen Varianten.
Den Gang hoch liegen top gepflegte Waschanlagen - was wollen wir in unserer Lage mehr.



3:00 - Der nächste Morgen. In der Nacht summt das Handy - die Reederei hat sich gemeldet. Der Flug geht drei Stunden später los - aber das Schiff wartet auf uns.

5:00 Wir rollen uns vorsichtig aus unseren Feldbetten. So romantisch wie in einem Film war die Nacht eben doch nicht für unsere Rücken.

8:00 Zeitig checken wir ein - geschafft. Zollkontrolle, bummeln durch die Shops, dann zum Abflug.
Da steht dann - Abflug erst um 11:30.

11:30 sitzen wir im Flieger und warten auf unser Gepäck, dass um 11:50 endlich eingeladen wird.
Als der Kapitän uns kurz darauf mitteilt, dass der Flug, wegen der Flugstatus auf Gran Canaria, erst in drei Stunden losgehen kann und wir bis dahin das Flugzeug verlassen sollen, kommt es unter den Fluggästen zu heftigen Unmutsreaktionen. Der besonnenen Art des Zweiten Offiziers ist es wohl zu verdanken, dass die Situation nicht weiter eskaliert - einige Fluggäste bestehen immerhin auf einen Rückflug der Maschine nach Düsseldorf.
Den Abflugbereich des Flughafens Faro kennen wir jetzt auch schon ziemlich gut. Die Fluggesellschaft beruhigt uns zwei Mal mit einem Verzehrgutschein, den wohl alle beim netten Mann am Kiosk einlösen wollen. Am Ende ist er ausverkauft - für ihn ein tolles Geschäft.

16:30 Uhr Wir landen auf Gran Canaria. Alles ist gelb-grau bedeckt vom Sandsturm der letzten Tage. Die Flughafenmitarbeiter im Außenbereich tragen Masken - für uns kein alltäglicher Anblick.
Raus aus der Maschine und ab zum Kofferband. Während wir alle noch warten und warten und warten, kommt unser Gepäck nicht, wie angezeigt, auf Band 35, sondern auf 53 im Nebengebäude an - ein Zahlendreher kann ja mal passieren.
Ab jetzt klappt alles wie am Schnürchen. Raus aus dem Flughafen, rein in die wartenden Busse und ab zum Hafen.

18:00 Uhr: Und da liegt es, unser Schiff, dass, wie versprochen, tatsächlich auf uns gewartet hat.



Und danach: Mit einem Tag "Verspätung" verbringen wir eine schöne Zeit an Bord und bei unseren Ausflügen auf den Kanarischen Inseln.









Auf dem Rückflug gibt es noch einen kleinen Schreckmoment: "Sehr geehrte Damen und Herren, ich muss ihnen leider mitteilen, dass wir in Gran Canaria falsch beladen wurden ( unser Gepäck???). Anstatt Snacks haben wir jetzt die doppelte Menge an Getränken an Bord"
Wenn's nichts schlimmeres ist.

Was auffällt ist, dass ein erheblicher Prozentsatz der Passagiere hustet - darunter auch ich.

Einen Tag, nachdem wir wieder zu Hause sind, liege ich mit höherem Fieber im Bett. Dazu kommen Kopfschmerzen, Abgeschlagenheit, Geschmacks und Geruchsverlust. C treffen einen Tag später die gleichen Symptome, von denen wir uns erst einige Tage später wieder erholen. Insgesamt bleiben wir für vierzehn Tage in häuslicher Quarantäne.

Es hätte ja noch schlimmer kommen können.


Viel Spaß & tolle Touren
wünscht HerBert