Entrückte
Landschaft des „Glen Coe“ Von Kinlochleven – durch das Glen Coe und das
Rannoch Moor, entlang von Loch Lomont, durch die Randgebiete von Glasgow und den Galloway Forrest Park – bis in die Nähe von Dumfries
Der
Blick aus dem Fenster des nächsten Morgens macht dem Tigh na Cheo – dem „Haus
im Nebel“ – alle Ehre. Rundum liegen die Bergspitzen in dichtem Dunst. Beeindruckend
der Blick aus dem Speisezimmer. Durch das kolonial ausgerichtete Mobiliar
entsteht schon fast der Eindruck, wir würden uns im indischen Dschungel, oder sonst
wo im weiten britischen Commonwealth befinden.
Das
Frühstück schmeckt super und die Bedienung ist freundlich und zuvorkommend –
auch hier könnte ich es schon ein paar Tage aushalten.
Nach
dem Essen begleichen wir die Rechnung und bringen das Gepäck zu unsern Bikes. Tapfer
haben sie im Nebel auf dem Parkplatz ausgehalten – jetzt werden sie zunächst
einmal trocken gerieben.
Da
es noch nicht klar ist, ob es gleich zu regnen anfängt, ziehen wir
vorsichtshalber die Regenjacken über. Sie sind bei den niedrigen Temperaturen halt
auch ein schöner Windschutz. Wenn man bedenkt, dass das restliche Europa schon
seit Tagen unter einer Hitzewelle stöhnt, sind wir auf unserer Reise mit
durchschnittlich 17 °C ganz gut weggekommen.
Die
Gefährten starten ihre Motoren und - nachdem die “X“ an ihnen vorbeigerollt ist
und sich an die Spitze unserer Gruppe setzt - starten wir in den neuen Tag.
Wir
folgen dem Südufer, bis wir im kleinen Ort Glencoe nach links in das großartige
Tal von „Glen Coe“ abbiegen. Unvermittelt
befinden wir uns in einem der schönsten – aber auch tragischen Täler Schottlands.
In
der Geschichte Schottlands wird der Name „Glencoe“ immer unweigerlich mit dem „Massaker vonGlencoe“
in Verbindung gebracht, dass in einer kalten Februarnacht 1692 den Frieden des
Tales für immer störte. Damals wurden die Mitglieder des Clan Donald von den
Campbells hinterrücks ermordet.
Die
Luft ist schwer von der hohen Luftfeuchtigkeit – für die grünen Gräser und
Moose ein ideales Umfeld für ihr üppiges Wachstum.
Hier
liegt ein optisches Highlight Schottlands vor unseren Augen. Bis zu 1.000 Meter
wachsen zu beiden Seiten des Tals die Berggipfel in die Höhe. Wasserfälle
stürzen sich in die Tiefe und fließen dort in den River Coe, der sich in den
von Moos bedeckten Hügeln durch die entrückte Landschaft windet.
Wie durch ein grandioses Tor verlassen wir das spektakuläre Tal zwischen zwei Gipfeln, die das südliche Ende des Glen Goe für uns bilden.
Links
von uns liegt nun das 130 Quadratkilometer große „Rannoch Moor“ eine der letzten
unberührten Landschaften Schottlands. Immer wieder sehen wir Rucksack-Wanderer
durch die einsame Landschaft ziehen. Sie sind unterwegs auf dem sehr beliebten „West Highland Way“ von Milngavie bei
Glasgow nach Fort William.
Wir
fahren einen Schlenker zum Loch Awe und werfen einen Blick auf
die Ruine von “Kilchurn Castle“. Dann
folgt Inverarary. Ein „Schloss“, ein „Gefängnis“ und der im Hafen
liegende, über 100 Jahre alte Dreimastsegler Arctic Penguin, sind dort die
Attraktionen.
„Loch Lomond“ ist Schottlands
größter Süßwassersee. 2002 wurde die umliegende Landschaft zum
Naturschutzgebiet erklärt. Der See bietet schöne Plätze für Pausen mit der
Aussicht aufs Wasser und die rege verkehrenden Ausflugsboote – nur heute
fehlt ein wenig das freundliche Ausflugswetter.
Und
– leider, leider – war es das jetzt schon mit den Highlands – aber die Lowlands
sind wirklich auch sehr schön. Um dorthin zu kommen, müssen wir erst noch durch die Randbezirke von Glasgow und durch Kilmarnock.
In Kilmarnock tanken wir am großen Kreisverkehr
und folgen der Fahrbahnmarkierung zum goldenen M – hier gibt’s bekanntlich alles, was der
Reisende so braucht :-)
Hinter
Kilmarnock verlassen wir die große A75 und fahren über kleine Wege am Galloway
Forrest Park entlang.
Viele Kilometer lang durchstreifen wir schöne Hügellandschaften und
verträumte Ortschaften.
Der kleine Ort "Carsphairn" besitzt am Ortseingang ein Heritage Centre mit kostenlosen Toiletten - in Schottland keine Seltenheit. Für uns ein willkommener Anlass, wieder einmal eine Pause einzulegen. Im kleinen Steinhaus informiert eine Ausstellung und eine nette Dame über die Entwicklung der Region seit den letzten einhundert und mehr Jahren.
Auf dem Parkplatz unterhalten wir uns mit einem deutschen Urlauber, der seit einer Woche mit seiner Frau im Auto durch Schottland reist. Er ist ziemlich genervt wegen des schlechten Wetters, das er während seiner Reise hatte. Er ist froh, dass es morgen wieder auf die Heimreise geht.
Das Wetter heute sei noch das Beste, dass er bisher hatte. So kann es dir hier gehen. Zur gleichen Zeit in Schottland - und für uns ist es heute definitiv der "schlechteste" Tag unserer Reise - und dabei hat es noch nicht einmal so richtig geregnet :-)
Durch dieses saftig-grüne Weideland - mit seinen friedlich weidenden Schafen und Rindern - könnten wir noch endlos weiterfahren – wäre da
nicht schon der Hinweis-Stein zu unserem heutigen Etappenziel.
Wir
biegen links ab, fahren die schöne Auffahrt hinauf und als der Kies unter
unseren Reifen knirscht haben wir unser B&B – „Craigadam Country House“ – in der Nähe von Dumfries
erreicht.
Kaum
sind wir von unseren Maschinen gestiegen, öffnet sich die Haustüre und wir
werden freundlich von unserer Gastgeberin Celina begrüßt.
Sie zeigt uns das Haus, die
Gartenterrasse und unsere Zimmer, die rund um den Innenhof angeordnet sind.
Die großzügigen Räume sind individuell mit Möbeln ferner Länder ausgestattet – meines ist das
chinesische Zimmer.
Da
ThomasK hier unser Abendessen vorbestellt hat, begibt sich die Dame des Haus in
die Küche und ihr Sohn übernimmt unsere Betreuung.
Getränke
können wir uns aus der Bar nehmen, in der auch ein großer Billardtisch steht.
Die Tafel im Speisesaal ist eine Wucht, die Gläser sind aus Kristall und das
Besteck ist aus Silber.
Der Sohn des Hauses serviert das mehrgängige Menü
mit weißen Handschuhen und erklärt vor jedem Gang, welche Speise als
nächstes aufgetischt wird.
Und so kommen wir auch noch zu unserem ersten „Haggis“ - DIE Spezialität aus der schottischen Küche. Das Essen ist hervorragend – sicherlich das Beste unserer Reise.
Nach
dem letzten Gang und einem Kaffee ziehen wir uns in den Salon zurück, trinken
zum Abschluss noch einen Whisky aus der Bar und ziehen uns höchst zufrieden in
unsere Gemächer zurück ;-)
Unsere letzte Nacht in Schottland. Aus der Ferne hört man das Bellen der Hirtenhunde, die in der Dunkelheit ihre Herden bewachen. Morgen überqueren wir bei Gretna Green die Grenze nach England – folgen für eine Weile dem Hadrianswall – und treffen in Newcastle auf die Princess Seaways.
Viel
Spaß & tolle Touren































