Schottlands „Wilder Westen“ - Von Contin über die Applecross Halbinsel zum Eilean Donan Castle und nach Kinlochleven
Teil II - Von Applecross zum Tagesziel nach Kinlochleven
Eilean Donan Castle - Die Highlander Burg
Nachdem
wir wieder aufgesessen sind, steigen wir auf den „Bealach na Ba Pass“ hinauf. Und der
ist schon ein harter Knochen.
Der grobe, brüchige Belag scheint ohne große Planierungsarbeiten
auf die Landschaft aufgebracht zu sein und die Kanten sind ziemlich bröckelig
und ausgefranst.
Single track road
Einzigartig für Schottland sind die tollen Haarnadelkurven,
die wir ja noch aus den Alpen kennen. Auch auf dem Bealach na Ba gibt es viele
Passing Places, die hier auch dringend benötigt werden.
Die Strecke ist sehr
schmal und zwei Fahrzeuge passen kaum aneinander vorbei. Wie auch auf anderen
Single track roads klappt das Zusammenspiel mit den schottischen Autofahrern
und uns auch hier wieder bestens – sehr zuvorkommend die Schotten :-)
Alpenfeeling
Passung place
Je
höher wir kommen, umso diesiger wird es in den Wolkenfetzen durch die wir
hindurchfahren – die Sicht geht teilweise nur bis zur nächsten Kehre. Was
dahinter kommt ist nicht einmal zu erahnen.
Nebel am Pass
Wer
hier hinauf fährt sollte sein Bike schon sicher beherrschen. Niedrige Steinmauern sind für „strauchelnde“ Biker oft der einzige Schutz vor dem Abgrund.
Steinmauern
Am
View-Point auf dem Gipfel werfen wir noch einmal einen Blick zurück – und sehen
in einer Wolkenlücke die „Isle of Skye“ hinter uns im Meer
liegen.
Isle of Skye in der Ferne
Jetzt
geht es an den Abstieg – und der ist im oberen Bereich schon eine große Nummer.
Anfangs kann man überhaupt nicht einsehen, ob ein Fahrzeug entgegen kommt.
Es geht abwärts
Erst
später ist die Strecke weiter einsehbar – aber da sind wir dann schon wieder mit
den fantastischen Ausblicken hinunter auf die Fischfarm Russel und den Loch
Kishorn beschäftigt :-)
Loch Kishorn
Fischfarm Russel
Nach
den gewaltigen Eindrücken am Bealach na Ba geht es bei der Fahrt entlang des
Loch Carrann wieder auf „Normalmaß“ zurück.
Jetzt
noch die Fahrt in Richtung Loch Duich - dann liegt sie vor uns – die
Highlander-Burg „Eilean DonanCastle“.
Sie ist der Inbegriff der schottischen Ritterromantik. Ein Traum, einmal hier
zu sein – oder :-)
Eilean Donan Castle
Die Gefährten schwärmen aus – ich bleibe bei meiner „X“ zurück. Nur ein paar
ungestörte Minuten um den großartigen Anblick auf mich wirken zu lassen – mehr
brauche ich nicht.
Die lange Steinbrücke, die finstere Burg, die mystische
Umgebung – schottischer kann Schottland kaum sein.
Belagerung ;-)
Bei
Ratagan schweift der Blick in die Runde und bleibt an einer Gebirgsformation
hängen – die „Five Sisters ofKintail“,
die immer noch auf ihre Helden warten. Aber auch wir können die fünf Schwestern
nicht erretten – wir haben ja leider keine Zeit für sowas :-)
Loch
Cluanie, Loch Loyne, Loch Garry – es läuft richtig gut, wir kommen zügig voran.
Bei
Invergarry biegen wir rechts in Richtung Fort William ab. Hier ist schon
mehr Betrieb, denn alles, was nach Fort William oder Inverness unterwegs ist,
kommt über die A82.
Drei
Bronzesoldaten die in die Ferne blicken – zur Erinnerung an die Britischen Einheiten
des Zweiten Weltkriegs.
Commando Memorial
Bevor
es weitergeht ziehen wir vorsichtshalber die Regenjacken über - Wind kommt auf, dunkle Wolken ziehen sich
zusammen und es beginnt leicht zu nieseln.
Vom
Memorial aus nehmen wir die wenig befahrene B8004 an der Westseite des Caledonian
Canal mit seinen 8-Staustufen. Denn - was Fort Augustus hat - kann Fort William
noch besser. Im spektakulären Schleusensystem „Neptune’sSaircase“
überwinden Freizeitkapitäne mit ihren Schiffen gleich acht Schleusentore
hintereinander, bis sie ihre Fahrt auf dem Caledonian Canal fortsetzen können.
Nachdem
wir in Fort William unsere Maschinen aufgetankt haben, durchqueren wir die
Stadt auf der A82.
Fort William
Im
Bahnhof von Fort William startet der legendäre „Jacobite SteamTrain“
seine Fahrt an die Westküste – nicht nur für Harry Potter-Fans ein großartiges
Erlebnis. Der Name Jakobite leitet sich von den „Jakobiten“ ab – lange vor
Harry Potter. Ziel der Reise ist das kleine Fischerörtchen Mallaig, von wo aus
die Fähre zur Isle of Skye ablegt.
Auch
die West HighlandBahn fährt zweimal am Tag die Strecke Glasgow – Mallaig und zurück – dann aber mit
einer Diesellock.
Gegen
18 Uhr erreichen wir „Loch Leven“. Mystisch liegt
der See in Dunst und Nebel vor uns und auch unser Quartier – "Tighna Cheo"
- „Das Haus im Nebel“ – hält genau das, was es verspricht.
Loch Leven
Mystisch
Was
in „Kinlochleven“ sofort auffällt
sind die vielen Rucksacktouristen – Backpacker. Denn Rucksackwandern ist in
Schottland sehr populär und der Ben Nevis und das Glen Coe sind nicht weit
entfernt. Und dazu führt der beliebte West Highland Way mitten durch den Ort.
Kinlochleven
Das
B&B macht einen sehr guten Eindruck und wir werden freundlich empfangen.
Die
Zimmer sind top, der Aufenthaltsraum ist gemütlich und Getränke kann man sich
aus dem Kühlschrank nehmen.
Gemütlich
Für unser Frühstück füllen wir schon mal einen
vorgedruckten Zettel aus - dann geht es in den nächsten Pub, der nur wenige
hundert Meter entfernt liegt – das schaffen wir glatt zu Fuß.
Das
„The Tailrace Inn“ ist ein typischer
schottischer Pub mit Dart, Billard, Musikbox und zahlreichen Einheimischen an
der Theke.
Das
Lager-Bier schmeckt nach dem langen Tag super und die Burger sind hervorragend
– hier könnte man länger bleiben ;-)
Was für ein toller Tag - der "Wilde Westen Schottlands" hat uns sehr beeindruckt! Aber leider verlassen wir die Highlands morgen schon wieder – doch nicht ohne
spektakuläre Eindrücke vom legendären Glen Coe und dem düsteren Rannoch Moor mitzunehmen.