Sonntag, 23. Juli 2017

Schottland in 8-Tagen - Tag 2/II

Vom Zwischenstopp an der Jedburg-Abbey nach Melrose und durch Edinburgh bis nach Glendevon.

Die wundervolle Cockburn St. in Edinburgh

Mit dem Linksverkehr klappt's jetzt schon ganz gut. 
Nur das beim Rechts abbiegen der „Feind“ von rechts kommt – und nicht wie bei uns von links – das muss man erst einmal so richtig verinnerlicht haben. TomTom's „Rechts abbiegen“ ist mittlerweile kein einfacher Hinweis mehr, sondern eine akute Warnung. Und auch ThomasK‘s Spruch – „Unser Guide führe uns sicher auf dem LINKEN Wege – mit besonderer Vorsicht beim RECHTS-Abbiegen“ – tat seine Wirkung und bis zum Rest der Reise klappte alles gut beim Linksverkehr :-) 
Nachdem wir auf dem Jedburgh-Parkplatz wieder aufgesessen sind, falle ich aber noch einmal in alte Gewohnheiten und fahre automatisch so, wie wir es Zuhause immer machen. Erst als mir ein Fahrzeug entgegenkommt hat mich die Realität des Linksverkehrs wieder eingeholt. Die Situation ist schnell bereinigt – die Schotten sind sehr freundlich und zuvorkommend gegenüber Motorradfahren.




Melrose – malerisch gelegen am River Tweed – ist ein bei Touristen sehr beliebter Ort – denn mitten in diesem schönsten Örtchen der Borders liegt die eindrucksvolle „Melrose Abbey“.



Die Ruine der 1136 von König David I. für französische Zisterzienser errichteten Abtei besitzt außerdem einen Platz, in dem das angebliche Herz des Nationalhelden Robert the Bruce aufbewahrt wird.




Hier herrscht reges Treiben, denn den vielen Bussen entsteigen auch viele Besucher, die munter in das kleine Städtchen ausschwärmen.




Wir drehen eine kleine Runde durch die historischen Straßen und Gassen – nur die Abbey liegt gut verborgen hinter hohen Zäunen und Bäumen. Also nur kurz angehalten und geschaut – dann geht’s weiter am River Tweed entlang.


Anstelle der A7 nehmen wir die kleinere B6360 – immer am Fluss entlang durch das Tweed-Valley – mit weitem Blick in die schöne Landschaft.


In Walkerburn entdeckt ThomasK eine Filiale der Bank of Scotland. Links rangefahren und Britische Pfund mit der IC-Karte abgehoben. Die wohl besten Konditionen für – Pfund für Euro.



In der Zwischenzeit haben wir auch auf der linken Seite angehalten und unsere Seitenständer zum  brüchigen Rand des Asphalts ausgeklappt. Die Bikes stehen ziemlich schief – hoffentlich geht das gut.
Zu welcher Seite steigen eigentlich die schottischen Biker ab? Nach links wie wir? Dann steht man aber direkt am Bordstein!
Und ist der Gasgriff auch auf der rechten Seite? Sie grüßen nämlich wie wir mit der linken Hand, aber natürlich von links nach rechts.
Das habe ich leider nicht ausreichend geklärt. Aber eine Frage hat sich für mich beantwortet – drehen britische Windräder eigentlich linksherum? Nein, sie drehen rechtsherum – die sind inkonsequent – die Briten ;-)



Während wir noch auf ThomasK warten kommt ein Schotte zu uns und sagt, dass wir vorsichtig sein sollen, es sei nämlich eine Schafherde ausgebrochen. Natürlich sagt er es nicht mit diesen Worten, sondern in einer Sprache, die keiner von uns versteht :-| Erst nach mehrmaliger Wiederholung dämmert es bei uns und als er merkt, dass wir ihn verstanden haben, lächelt er und winkt uns noch einmal freundlich zu.




Bei Cardrona verlassen wir noch einmal die A71 um auf kleiner und landschaftlich reizvoller Strecke Peebles zu erreichen.




Schon von weitem sehen wir den gekrönten Turm der Old Parish Church. Über die alte Steinbrücke geht es über den Fluss und an alten Steinhäusern vorbei durch den historischen Marktflecken am River Tweed.



Jetzt liegt auch schon Edinburgh und der Castle Rock vor uns.





„Edinburgh“ ist seit dem 15. Jahrhundert die Hauptstadt von Schottland - bis dahin war es Perth. Seit 1999 ist Edinburgh außerdem Sitz des Schottischen Parlaments.


Edinburgh ist mit etwa 493.000 Einwohnern nach Glasgow die zweitgrößte Stadt Schottlands und seit 1996 eine der 32 schottischen Council Areas. Die Stadt liegt an Schottlands Ostküste im Vereinigten Königreich Großbritannien und Nordirland auf der Südseite des Firth of Forth.



Bei unserer „Stadtrundfahrt“ gibt es für uns einen tollen Einblick in die beeindruckende historische Hauptstadt der Schotten.


Wir starten unsere Tour im Grünen über den Queen’s Drive, dem Freizeit-Außenbereich der Edinburgher.



Am Scottich Parliament Building vorbei geht es über The Royal Mile, die in die High Str. mündet.



Hier geht es nicht mehr weiter – vor uns wimmelt es nur so von Menschen, auf der den Fußgängern vorbehaltenen Straße.


Also geht es rechts hinunter in die tolle Cockburn St. Wieder schaue ich in den Rückspiegel, ob wir noch alle zusammen sind – nein, wir sind nicht alle über die Ampel gekommen.



Also warten wir und sehen uns die tollen Häuser und das rege Treiben um uns herum an – und dann geht’s auch schon wieder weiter. Demnächst müsste man einfach einmal in den Flieger steigen und ein WE hier verbringen - das ist es unbedingt wert.


So hangeln wir uns so nach und nach durch die Market St., N Bank St.,  Bank St. und  Lawnmarket - bis wir auf der Johnston Terrace direkt unterhalb des „Edinburgh Castle“ vorbeifahren.


Die Burg auf dem Castle Rock, im Zentrum von Edinburgh, gilt als eine der bedeutendsten Sehenswürdigkeiten Schottlands.




An der Castle Terrace habe ich eine Sammelstelle in unserer Route eingebaut für den Fall, dass wir uns in der Rushhour verlieren sollten – aber alle sind noch bei mir!


Als nächstes gilt es den riesigen, weit ins Land reichenden Mündungstrichter des Flusses Forth, auf der Forth Road Bridge zu überqueren. Dabei liegt rechts neben uns die überaus fotogene zweigleisige Eisenbahnbrücke „Forth Rail Bridge“.


Die rot lackierte Auslegerbrücke hatte, bei ihrer Eröffnung im Jahr 1890, die größte Spannweite aller Brücken weltweit und erregte ähnlich viel Aufsehen wie der Eifelturm.



Jetzt wird es langsam Zeit, unsere Tanks mit neuem Benzin zu füllen – wir hatten sie ja wegen der Fährüberfahrt nicht bis zum Rand befüllt. Die dazu ausgespähte Tankstelle in Dunfermline ist nicht mehr weit und bis Glendeven gibt es auch keine weitere mehr. Als wir dort ankommen sehen wir sofort – das wird ein Satz mit „X“. Das einzige Fahrzeug auf dem Platz ist ein riesiger Tanklastzug, der die leere Tankstelle wieder befüllen soll. Definitiv gibt es hier für heute keinen Sprit mehr für uns. Aber 5 Minuten zurück, immer geradeaus, da gäbe es eine Gulf-Station – so der Hinweis der Pächterin.
Die finden wir dann auch glücklich in Rosyth – aber unglücklicherweise haben wir Christine bei der Aktion verloren :-| Günter macht sich sofort auf sie zu suchen – und ist dann auch verloren :-|
Kurze Zeit später ruft Christine an, dass sie auf die M60 geraten ist und sich nun, auf eigene Faust und ohne Navi, zum Hotel durchschlagen will.
Günter hat in der Zwischenzeit sein Navi auf die nächste Tankstelle angesetzt und trifft gerade bei uns ein. Ok, dann fahren wir los nach Glendevon – die ganze Zeit mit dem mulmigen Gefühl, ob Christine auch wirklich zum Hotel finden wird.



Findet sie – als wir um die letzte Kurve biegen sehen wir sie schon auf dem Mäuerchen vor dem  Tormaukin Hotel“ sitzen – bei uns Erleichterung pur.



An der Rezeption werden wir freundlich empfangen und auch die Zimmer sind ansprechend und sauber.


Zum Abendessen, das wir wegen der einsamen Lage gleich mitgebucht haben, treffen wir uns im Restaurant.


Alles sieht so aus, wie man es sich von Schottland so vorgestellt hat.


Der Kellner ist sehr aufmerksam und alle Fragen, die man in einem fremden Land ja so hat, werden von ihm mit Humor und Witz beantwortet.




Das Essen schmeckt sehr gut und bei einem oder zwei Pint schottischem Real Ale – "Von Hand bis zum Rand gezapft" – erzählt Christine uns die Geschichte ihrer glücklichen Ankunft im Tormaukin Hotel.


In einem der riesigen Kreisverkehre – von einer Ampel gesteuert – bog sie wohl eine Ausfahrt zu früh links ab und befand sich kurz darauf auf der Autobahn Richtung Perth. Dass da was nicht stimmen konnte wurde ihr sofort klar und so verließ sie die A90 gleich wieder an der nächsten Ausfahrt. Nach ihrem Rückruf bei uns – der auch nicht genau klären konnte wo sie sich zurzeit gerade befand – half ihr ein freundlicher Schotte weiter. Für die etwa 30 Kilometer weite Strecke zum Hotel zeichnete er ihr eine Skizze mit allen Abbiegungen – und fuhr auch noch die Hälfte des Weges vor ihr her. Winkend verabschiedete er sich als er davon ausgehen konnte, dass Christine den Weg nun nicht mehr verfehlen würde. Kurze Zeit später checkte Christine als Erste im Hotel ein - eine Geschichte, die man auch noch nach Jahren seinen Kindern, Enkelkindern und Freunden erzählen kann.
Unsere einhellige Meinung: Christine ist eine taffe Frau – und die Schotten sind sehr freundlich und hilfsbereit :-)

Tag 2 - 280 Kilometer

Viel Spaß & tolle Touren
wünscht HerBert :-)




Kommentare:

  1. Mensch HerBert,
    man muß dir eigentlich das Geld für die Reise überweisen,
    denn man fährt die Tour in Gedanken noch ein mal ;-)
    Ein toller Bericht und ich schwöre ... es war wirklich so!!!
    Vielen Dank dafür

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    1. Hey Thomas mein Freund, ohne euch hätte ich mich doch gar nicht über's Meer getraut :-)

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