Sonntag, 20. Dezember 2015

"Champagnerland" - Mal sehen, wo der Champagner wächst IV

Juni 2015 - Tag 3 - Heimwärts über "Die Straße der Fachwerkkirchen" und "Verdun"


Heute geht es leider schon wieder auf die Heimreise.
„Die Route der Fachwerkkirchen“ und „Verdun“ liegen dabei auf unserer Strecke.


Nachdem wir noch einmal Madame Périns Frühstück genossen haben drängt es uns nun doch,


die Rösser aus dem Stall zu holen, sie zu beladen und uns für die Reise fertig zu machen.


Kurze Zeit später haben wir alles soweit geregelt und mit einem freundlichen
"Au revoir" und "Bon voyage" verabschiedet uns Madame Périn von ihrem Hof.


Eine sehr schöne Zeit haben wir auf „Les Furets“ verbracht.


Den Aufenthalt hier werden wir nicht vergessen :-)


Zunächst geht es noch einmal in Richtung Troyes,


durch hügeliges Wald und Weideland


und durch kleine beschauliche Dörfer.


Idyllisches Landleben und die Landflucht liegen auch hier nahe beieinander.

Schon wieder die Tour de France? :-)


Danach wechselt die Route auf wellige, lange Geraden
und es geht durch riesige Getreide-Anbauflächen.


Die Straße führt scheinbar endlos durch die goldenen Weizenfelder hindurch.


Hier lassen wir unseren Rössern freien Lauf –
ein tolles Gefühl, durch die enormen Weiten zu fliegen ;-)


Die Route der Fachwerkkirchen


Eines der  großen Mohnfelder -
Hier biegen wir von der Geraden ab und sind auch schon am erste Ziel unserer Reise.


„Die Route der Fachwerkkirchen“ – eine tolle Strecke auf unserem Weg nach Norden.


In der Region der „Großen Seen der Champagne“,
zwischen den Seen des Forêt d’Orient und dem Lac du Der-Chantecoq,
befindet sich eine Gruppe an Fachwerkkirchen, die in Frankreich einzigartig ist.

Insgesamt zehn Kirchen und eine Kapelle im Fachwerkbaustil,
erbaut zwischen dem späten 15. und dem 18. Jahrhundert, liegen in diesem Gebiet.


Nur wenige der Gemeinden, die fast ausschließlich von der Landwirtschaft leben,
konnten sich eine aus Stein gebaute Kirche leisten.


Da boten sich die mit Holz und Strohlehm erbauten Fachwerkkirchen als eine preiswertere Alternative an.

Fünf dieser einzigartigen Kirchen sind für uns so günstig gelegen,
dass wir sie recht einfach in unsere Route einbauen können.

Der Reihe nach sind das die Kirchen von:
Longsols (2) – Morembert (3) – St.-Léger-suis-Margerie (4) – Drosnay (5) – Ste-Marie-du-Lac-Nulsement (6)

Eine Bildbeschreibung zu den Fachwerkkirchen findet ihr in der sehr schönen Broschüre


In Drosnay legen wir eine kurze Pause ein

Die hiesige Fachwerkkirche liegt ruhig im warmen Sonnenlicht an diesem ruhigen Sonntagmorgen.


Die Kirche ist in einem sehr guten Zustand und das Dach sieht schön aus mit seinen hölzernen Schindeln.


Durch den niedrigen Portalvorbau treten wir in das Innere des Gotteshauses ein –
wo wir augenblicklich von einer beeindruckenden Atmosphäre umfangen werden.


Wir bewundern die wunderschönen Holzvertäfelungen aus dem 18. Jahrhundert.


Und den Hauptaltar mit seinem Aufsatz.


Alles hier ist in gut restauriertem Zustand.


Und noch etwas beeindruckt in dieser Kirche aus Holz.
Nichts ist gerade, eigentlich alles hat sich nach den vielen Jahren verzogen, geneigt und verdreht.
Für einen Maschinenbau-Techniker ein erstaunlicher Anblick :-)


Ein angenehmes Klima strahlt dieses Kirchenschiff im Dämmerlicht der nur wenigen Fenster aus.


Im Seitenschiff sind wunderschöne Scheiben aus dem 16. Jahrhundert
mit Glasmalereien aus der Schule von Troyes zu bewundern.


Einige Zeit später, in Arrigny, hat uns das volle Leben wieder zurück.


In dem kleinen Ort, in der Nähe des Lac du Der, geht es recht lebhaft zu –
man könnte fast meinen, man wäre in einer Mediterranen Urlaubsregion.


Hier wirkt alles eher leicht und locker.


Und lecker


Während wir unseren Kaffee genießen, schauen wir dem bunten Treiben auf der Straße vor uns zu.


Noch einmal die schöne Kirche von Ste-Marie-du-Lac-Nuisement geschaut - 
Dann biegen wir auf die schnelle N35 nach Bar-le-Duc ein.


Die Straße hinein nach Bar-le-Duc ist schon speziell.


Mehrere Kilometer fahren wir, wie durch einen Hohlweg, zwischen den Häusern hinunter bis zum Zentrum.


Dabei liegt die rechte Seite meist steil und hoch bebaut über uns. Wie gesagt – es ist schon beeindruckend.


Unten im Zentrum ist dann alles wie gehabt in Französischen Städten.






Triumphbogen, Gedenkstätte, Ehrenmal – sieht wie immer sehr beeindruckend aus.


Und auch hier hat TomTom wieder einen guten Job gemacht.
Mit leichter Abbweichung von unserer Route findet er eine am Sonntag geöffnete Total-Tankstelle.
Es wurde aber auch wieder mal Zeit ;-)



Voie Sacrée – Heiliger Weg


Irgendwann fällt uns auf der Fahrt von Bar-le-Duc nach Verdun auf, dass wir nach jedem Kilometer einen „Kilomerterstein“ passieren, auf dem die aktuelle Entfernung bis Verdun Angegeben ist.


Copiright

Später erfahren wir, dass diese speziell gestalteten Steine nur hier zu finden sind.
Sie erinnern daran, dass die Straße von Bar-le-Duc nach Verdun eine überragende logistische Bedeutung
für den Französischen Materialtransport im Großen Krieg  (Erster Weltkrieg) hatte.


Die „Voie Sacrée“ besitzt für Frankreich eine machtvolle Symbolik. Sie zeugt von den Anstrengungen einer ganzen Nation für den Sieg.
Während des Krieges war sie ein Symbol für den „Kreuzweg" der Frontsoldaten, die in die „Hölle von Verdun" geschickt wurden.
Und sie bedeutete für die „Gespenster" vom Schlachtfeld die - vorübergehende - Rückkehr ins Leben.



Verdun

Da ist wieder diese seltsame Stimmung, wenn man spürt, dass etwas Besonderes auf einen wartet.
Man kann noch nicht sagen wie es wird, aber man wird von einer seltsamen inneren Erregung gepackt.

Nach den vielen Berichten und Filmbeiträgen über Verdun bekommt dieser Ort nun ein eigenes Gesicht.


"Verdun" ist, nach Paris, die weltweit bekannteste Stadt Frankreichs. Nach dem Krieg wieder aufgebaut bietet die Stadt an der Maas ein harmonisches Umfeld mit einem neuen und eleganten Stadtbild.


Die Erinnerung an den Ersten Weltkrieg ist auch heute noch überall lebendig.




Vor allem durch die Denkmäler, Erinnerungsstätten und Schlachtfelder.

Nach 100 Jahren ist für uns noch sichtbar, wo die unzähligen Granateinschläge 
die Erde immer wieder zu Trichtern und Hügeln umgepflügt haben.


Heute stehen große Bäume auf dieser unnatürlichen Hügellandschaft.


Durch die ehemaligen Schlachtfelder und vorbei an unzähligen Grabstätten.


Wir erreichen das "Ossuaire de Douaumont"


Hier befinden wir uns, 100 Jahre nach dem Grauen, im Epizentrum der Schlachten des Ersten Weltkriegs.


Soldatenfriedhöfe, Schlachtfelder und dieses Beinhaus unzähliger namenloser Soldaten,
denen hier gedacht wird, zeugen von der Gewalt und der Abscheulichkeit des Krieges.


Dies alles ist sehr beeindruckend und weckt Erinnerungen an Erich Maria Remarks
"Im Westen nichts Neues"


Abseits der Gedenkstätten gibt es hier auch ruhige und freundliche Rastplätze in der Natur.


Immer entspannt, immer locker, immer Fit for Fun :-)


Ein Blick zurück - Dann geht's weiter Richtung Heimat.


Wir überqueren noch einmal die Maas, die hier Meuse heißt – noch nie waren wir so weit an ihrem Oberlauf – dann geht es über Orval, Florenville, Bastogne, Stavelot, Malmedy, das Hohe Venn, Eupen und Aachen
zurück nach Hause, an die B57.


Gegen 21 Uhr sind wir zurück aus der Champagne und unsere treuen Bikes,
ob aus dem Stall - BMW - Honda oder - KTM,
haben wieder einmal 520 perfekte Kilometer zurückgelegt.
"Sante" - sagt der Franzose - und hebt sein Champagnerglas an die Lippen ;-)


Die komplette Reise war ein voller Erfolg - mit tollen Gefährten, einer großartigen Gastgeberin, tollen Highlights und Landschaftseindrücke vom Feinsten. Bikerfreude pur.

Natürlich hat auch das Wetter hervorragend mitgespielt – man mag sich gar nicht vorstellen, wenn es während unserer 1.300 Kilometer nur geregnet hätte – aber - hat es ja nicht :-)




Wieder einmal sind Birgits tolle Bilder DER „Rote Faden“ für unseren Bericht aus dem Land wo der Champagner wächst.
So genau wüsste ich sonst nämlich nicht, wo wir überall gewesen sind und was wir so tolles erlebt haben ;-)


Bei den Recherchen zur Tour waren mir drei Tourberichte hilfreich, die ich gerne weiterempfehlen möchte.
„Verdun – Champagne“ vom „Reisecruiser“
„Lust auf Champagner“ von Manfred Berwanger
„Lust auf Champagne?“ von Ralf Belitz




Den Download zur Tour findest du "Hier"



Viel Spaß & tolle Touren wünscht
HerBert

Nachtrag 27.04.2017 Tourdatei für den "Motoplaner"


Kommentare:

  1. "Die komplette Reise war ein voller Erfolg - mit tollen Gefährten, einer großartigen Gastgeberin, tollen Highlights und Landschaftseindrücke vom Feinsten. Bikerfreude pur."

    Und zu guter Letzt einen hervorgegangen Tourguid, der uns das alles erst ermöglicht hat;-)
    Es war schon ein besonderes Abenteuer auf das Du uns mitgenommen hast, dafür danken wir Dir!

    Zu vergessen sind aber auch nicht die Freunde die dieses Abenteuer mit uns erlebt haben :-)
    Da kann man sich schon auf das nächste Abenteuer freuen;-)

    Vielen Dank
    Birgit und Thomas

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    1. Hallo ihr Beiden, das nächste Abenteuer liegt ja schon in greifbarer Nähe - dann geht’s hoch hinauf ;-)

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  2. Das ist ja wohl wirklich eine tolle Reise gewesen! Viele der Orte kennt man ja nur vom Hörensagen und es ist schön, wenn sie durch so einen Bericht ein Gesicht bekommen.
    In Verdun war kürzlich ein guter Freund von mir, er hat auch sehr anrührende Dinge von dort berichtet. Das lässt sicherlich niemanden kalt.

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    1. Seit vielen Jahre wollte ich schon nach Verdun, aber für eine Tagestour ist es einfach zu weit.
      In Verbindung mit der Champagne war es dann eine gute Gelegenheit dorthin zu kommen.
      Und es hat sich wirklich gelohnt - nur einmal dagewesen zu sein.

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